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Deutschland / Welt Winterkorn bläst an der Wall Street zur Offensive
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Winterkorn bläst an der Wall Street zur Offensive
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06:15 26.10.2012
Von Stefan Koch
Foto: VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.
VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Quelle: dpa
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New York

Während die Verkaufszahlen der Wolfsburger Autobauer in Europa leicht schwächeln, erleben sie in den USA regelrechte Höhenflüge. Da trifft es sich gut, dass Martin Winterkorn ausgerechnet in dieser Phase eine hohe deutsch-amerikanische Auszeichnung verliehen wird: Der VW-Vorstandschef reiste am Dienstag nach New York, um den renommierten "Global Leadership Award" in der Nacht zum Mittwoch direkt an der Wall Street entgegenzunehmen. Das Deutschland-Institut der "Johns Hopkins University" zeichnet seit 1994 Persönlichkeiten aus, die sich im besonderen Maße für die deutsch-amerikanischen Beziehungen einsetzen - so unter anderem Kanzlerin Angela Merkel und – jeweils in ihrer aktiven Zeit – Josef Ackermann, Heinrich von Pierer und Jürgen Schrempp. 

Dass ausgerechnet Senator Bob Corker die Laudatio auf Winterkorn halten sollte, dürfte einen einfachen Hintergrund haben: Corker vertritt seit sechs Jahren den Bundesstaat Tennessee im Parlament und war zuvor Bürgermeister von Chattanooga - dem neuen VW-Standort in den Vereinigten Staaten. Die nagelneue Fabrik spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie der Wolfsburger, in naher Zukunft zum weltweit größten Autoproduzenten aufzusteigen. Und manchem Amerikaner gilt die Milliardeninvestition in dem Südstaatenstädtchen als Modell für den wirtschaftlichen Wiederauftstieg der gebeutelten US-Industrie.

Gleichwohl sind Winterkorns Kontakte in die Vereinigten Staaten weitaus vielfältiger als nur zur neuen VW-Fabrik. Der 65-Jährige ist Mitglied im Vorstand der "Atlantik-Brücke" und steht regelmäßig mit amerikanischen Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft im Gespräch. Außerdem, darauf legte Winterkorn am Dienstag großen Wert, trugen amerikanische Produkte auch zu  seiner persönlichen Technikbegeisterung bei: Als junger Mann fuhr der heutige VW-Konzernchef einen "Ford 12 M". Unter den mehr als 500 Gästen im "Cipriani"-Restaurant direkt an der Wall Street zweifelte wohl niemand daran, dass der aufstrebende Ingenieur damals den Wagen bis in alle Einzelheiten kannte und prüfte - denn dieses Ford-Modell wurde schon damals als direkte Konkurrenz zu Volkswagen auf den Markt gbracht.

Doch diese freundlichen Ehrerweisungen an die amerikanischen Mitbewerber können bei der Festveranstaltung nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den Wolfsburgern gerade in den kommenden Monaten und Jahren darauf ankommt, neue Marktanteile zu erobern: Allein in den ersten neun Monaten verkaufte VW in den USA 432.000 Fahrzeuge – worunter sich seit August auch Porsche-Fahrzeuge befinden. Im Vergleich zu 2011 entsprechen diese Zahlen einer Steigerung von mehr als 30 Prozent. Dabei kommt die Kernmarke VW sogar auf 37 Prozent.

"Unser Etappenziel heißt, in diesem Jahr mehr als eine halbe Million Fahrzeuge auf dem US-Markt zu verkaufen", sagte Winterkorn kurz vor der Preisverleihung dieser Zeitung. Der Schlüssel zum Erfolg in Amerika liege zum einen in dem neuen Werk in Chattanooga, in das der Konzern mehr als vier Milliarden Euro investierte. Zum anderen hebt Winterkorn das Engagement in Umweltschutz und Nachhaltigkeit hervor. Dazu würden verbrauchsarme Motoren beitragen, der neue Jetta Hyrid, der in wenigen Tagen auf den Markt komme und nicht zuletzt hohe Umweltstandards in den Produktionsanlagen.