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Deutschland / Welt Winterreifen werden deutlich teurer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Winterreifen werden deutlich teurer
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13:10 03.06.2013
Die Händler haben sich mit Winterreifen gut eingedeckt, doch die Ware ist deutlich teurer geworden. Quelle: dpa
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Hannover.

 „Die Händler müssen die exorbitanten Erhöhungen der Hersteller an die Kunden weitergeben“, sagte der BRV-Vorsitzende Peter Hülzer dieser Zeitung.

Konzerne wie Continental haben im Laufe des Jahres mehrfach an der Preisschraube gedreht, weil sie wiederum mit höheren Rohstoffkosten kämpfen müssen. Nach Naturkautschuk und Öl hat sich zuletzt vor allem synthetischer Kautschuk deutlich verteuert, der in den Mischungen von Pkw-Reifen heute einen wesentlich größeren Anteil hat. Sollte es in diesem Winter erneut zu Knappheiten auf dem Markt kommen, seien weitere Verteuerungen denkbar, sagte Hülzer.

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Zumindest derzeit sieht es danach aber nicht aus. Die Hersteller hätten deutlich mehr Reifen liefern können als 2010. Zudem hätten sie zugesichert, bis Dezember noch nachproduzieren zu können, berichtete Hülzer. Im vergangenen Jahr war es zu Knappheiten und teils gewaltigen Preissprüngen bei einigen Reifengrößen gekommen, weil die Nachfrage durch einen frühen Wintereinbruch und die Einführung der Winterreifenpflicht in die Höhe schnellte, die Hersteller aber längst auf die Produktion von Sommerreifen für die Großkunden in der Automobilindustrie umgeschaltet hatten.

Der Handel hat diesmal rechtzeitig Vorräte angelegt. Ende September war der Lagerbestand der Branche nach Hülzers Angaben um 19 Prozent höher als vor einem Jahr. Europas größter Online-Reifenhändler Delticom berichtete, man verfüge „in diesem Jahr über ausreichend Ware, um auch zu niedrigeren Margen weitere Kunden gewinnen zu können“. Dank eines neuen Großlagers in Sehnde-Höver haben die Hannoveraner ihre Bestände binnen Jahresfrist um 60 Prozent hochgefahren.

Mit dem Start in die Saison sind die Händler und Werkstätten nach eigenen Angaben zufrieden. Viele Geschäfts- und Flottenkunden hätten bereits im September die Fahrzeuge umrüsten lassen. Deshalb könne man sich nun voll auf „Otto Normalfahrer“ konzentrieren, berichtete der BRV-Vorsitzende. Knappheiten gebe es nur in Einzelfällen bei Reifen für Geländewagen und Transporter. Auch Delticom will bei bestimmten Marken oder Größen Probleme nicht ausschließen. Testsieger etwa seien immer schnell knapp, sagte Finanzvorstand Frank Schuhardt. Er rechnet aber nicht mit Preissprüngen wie im vergangenen Jahr.

Neben dem Wetter könnte lediglich der Gesetzgeber den Markt ein weiteres Mal durcheinanderbringen. Derzeit wird im Bundesverkehrsministerium geprüft, ob man bei Winterreifen die gesetzliche Mindestprofiltiefe von derzeit 1,6 Millimeter auf 4 Millimeter anhebt. Eine entsprechende Abwägung hatte der Bundesrat nach einem Jahr Winterreifenpflicht gefordert. Noch gebe es allerdings keine Entscheidung, sagte ein Ministeriumssprecher. Sollte man die Vorgaben tatsächlich verschärfen, werde es aber auf jeden Fall Übergangsregelungen geben.