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Deutschland / Welt "Wir brauchen keine Quote"
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15:44 01.03.2012
Von Lars Ruzic
Conti-Vorstand Elke Strathmann Quelle: Surrey
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Hannover

Wenn in Frankfurt bei den Sitzungen des Nestlé-Vorstands wieder einmal das Gespräch auf den Fußball gelenkt wurde, dann hatte Elke Strathmann immer ein Ass im Ärmel. Ihr Nachbar war damals der längst geschasste Eintracht-Trainer Michael Skibbe, der sie über den Gartenzaun mit allem Relevanten versorgen konnte, was in der Männerwelt zum Smalltalk nötig ist.

Jetzt, da sie als Personalchefin in den Conti-Vorstand berufen wurde, fehlt der passionierten Golferin eine solche Quelle. Dabei ist doch Fußball unter Automanagern noch wichtiger als in der Nahrungsmittelbranche. Gerade sucht die 53-Jährige in Hannover eine Immobilie. Sie sollte es in Groß Buchholz versuchen. Vielleicht ist ja neben Mirko Slomka noch etwas frei.

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In Gesprächsrunden zu stehen, deren Themen einen selbst herzlich wenig berühren, ist wohl einer dieser Nachteile, die man als weibliche Führungskraft in der deutschen Autoindustrie in Kauf nehmen muss. Aber Elke Strathmann geht routiniert und souverän damit um. Und schließlich müssen sich auch ihre Kollegen umstellen. Die Mathematikerin ist der erste weibliche Conti-Vorstand in der 140-jährigen Firmengeschichte.

So bringt sie die Frauenquote im Spitzengremium von null auf 12,5 Prozent. Damit ist der Wert im Vorstand schlagartig höher als unter den Führungskräften im Konzern insgesamt. Hier sind nur 8 Prozent weiblich. Strathmann hat den Anspruch, diesen Anteil bis zum Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln - ohne allerdings starre Vorgaben machen zu wollen. "Wir gehören zu den Unternehmen, die keine Quoten brauchen", sagt sie selbstbewusst. Bei Conti wisse man auch so, dass man auf die Frauen angewiesen sei. Nur aufgrund einer Unternehmenskennzahl in eine Führungsposition gehievt zu werden, "sollte sich ohnehin keine Frau antun".

Angesichts des um sich greifenden Fachkräftemangels könne es sich heute kein Unternehmen mehr leisten, "auf die Hälfte der Talente zu verzichten", sagt Strathmann. Gerade Continental hat es hier allerdings schwer. Noch immer ist der Anteil von Frauen bei Ingenieuren und Entwicklern viel zu klein. Um die wenigen weiblichen Fachleute ins Unternehmen zu holen, sei - wie auch bei den Männern - eine starke Arbeitgebermarke nötig, sagt die im Ruhrgebiet groß gewordene Managerin. Hier sieht sie bei Conti noch Potenzial. Tatsächlich laufen die Hannoveraner bei den einschlägigen Rankings meist unter "ferner liefen".

Strathmann will das ändern - mit einem modernen Führungsstil, flexibleren Arbeitszeiten und der Förderung von Vielfalt im Unternehmen. "Das ist mitunter wichtiger als der 380. Kita-Platz", sagt die Managerin, die auch Vizepräsidentin der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ist. Gleichwohl will sich der Konzern auch hier künftig engagieren. Derzeit ist ein Betriebskindergarten in Stöcken in Planung.

Strathmann selbst, die fast 30 Jahre in der Markenartikelindustrie hinter sich hat, ist zwei Monate nach ihrem Start in Hannover noch vollauf damit beschäftigt, den Konzern in all seinen Facetten kennenzulernen. "Ich muss die vielen Produkte im Sinne des Wortes erfahren", sagt sie. Als Strathmann ihren neuen Dienstwagen bekommen sollte, warnte sie ein Mitarbeiter, da sei ja gar nicht die neueste Generation von Conti-Reifen aufgezogen. Das hätte sie noch als Nestlé-Personalvorstand wohl kaum vom Fahren abgehalten.

01.03.2012
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