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Deutschland / Welt „Wir müssen uns im Internet anstrengen“
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20:49 02.01.2012
TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher will das Online-Angebot ausbauen und exklusiver machen. Quelle: dpa
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Hannover

Herr Böttcher, hinkt der Marktführer TUI im Internet hinterher?

So pauschal kann man das nicht sagen. Unser Kernprodukt als Veranstalter ist ja die klassische Pauschalreise. Die Deutschen buchen diesen organisierten Urlaub immer noch am liebsten im Reisebüro und nicht online. Direkt auf unseren TUI-Webseiten werden bisher 5 bis 6 Prozent der Pauschalpakete verkauft.

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In Skandinavien bucht schon ein großer Teil der Reisenden im Internet. Sind die Web-Angebote dort besser?

Nicht besser, aber billiger. In Deutschland wird dem stationären Vertrieb garantiert, dass Pauschalreisen nicht gleichzeitig billiger im Netz angeboten werden. Die Kunden können sich also darauf verlassen, dass sie im Reisebüro keinen schlechteren Preis bekommen. Zudem gibt es dort die persönliche Beratung quasi kostenlos dazu.

Trotzdem werden immer mehr Reisen im Internet vorbereitet und zumindest Teile davon auch gebucht ...

Das ist völlig richtig, und deshalb müssen wir unsere Anstrengungen im Internet enorm verstärken. Viele Flüge und Hotels werden direkt beim Anbieter online gebucht, da läuft zu viel an uns vorbei. Das muss sich ändern.

Und wie?

Wir stellen derzeit unsere zentrale Internetplattform Tui.com neu auf. Künftig werden wir dort nicht nur unsere Reisen, sondern auch Angebote von Dritten verkaufen. Zudem bekommen Kunden Expertenberatung aus erster Hand. Das ist revolutionär, so etwas gibt es bisher in der ganzen Branche nicht. Tui.com soll bis Ende März 2012 starten und die wichtigste Plattform für Reisen im Internet werden. Bis 2015 wollen wir so den Online-Anteil am Umsatz auf 20 Prozent steigern.

Das klingt ziemlich ehrgeizig.

Wir sind überzeugt, dass wir unseren Kunden einen großen Mehrwert bieten können. Auch unsere stationären Reisebüros verkaufen ja Angebote anderer Veranstalter. Der Verbraucher will im Internet ebenfalls den größtmöglichen Überblick und Vergleich – und genau das wird er künftig auf Tui.com bekommen.

Es gibt bereits viele Vergleichsplattformen im Internet, die so einen Überblick und Buchungsmöglichkeiten bieten.

Ja, aber nur wenige mit einem so umfassenden Angebot. Und nur bei uns wird es künftig Expertentipps aus erster Hand geben, von Reisefachleuten aus unserem Konzern, aus Reisebüros und Zielgebieten. Wir werden Offline- und Online-Welten verknüpfen und so ein bestechendes Angebot aus einer Hand schaffen.

Wie soll das funktionieren?

Die Experten können zunächst per Mail kontaktiert werden. Wer einen Tauchurlaub in Thailand plant, bekommt Tipps zur Reisezeit, zu den schönsten Gebieten, zum Transport der Ausrüstung und zu Sicherheitsfragen – so kompetent, dass er die Reise dann auch gleich bucht.

Fürchten die Reisebüros nicht noch mehr Konkurrenz, wenn die TUI ihren Eigenvertrieb massiv verstärkt?

Es geht zum einen darum, Neukunden zu gewinnen, die ohnehin nicht im klassischen Reisebüro buchen. Außerdem gibt es nicht wenige Menschen, die sich im Internet vorab informieren und sich dann auf die Suche nach einem geeigneten Reisebüro machen. Auch die haben wir im Fokus, und wir reden hier immerhin von über rund 30 Prozent der deutschen Bevölkerung. Um dieses Kundensegment gezielt anzusprechen, bekommt der stationäre Vertrieb über Tui.com eine starke Verkaufsplattform.

Werden Sie über Tui.com auch alle Einzelleistungen wie Flüge und Hotels verkaufen?

Natürlich. Unsere Flugtochter TUIfly verkauft ja schon seit zwei Jahren online auch Flüge anderer Anbieter, mit großem Erfolg. Der Umsatz wächst und auch der Anteil unserer eigenen Angebote daran. Das läuft richtig gut.

Dann treten Sie nun auch gegen die etablierten Hotelvermittler im Internet wie HRS an?

Wir werden ein umfassendes Hotelangebot haben, allerdings mit klarem Schwerpunkt in der Ferienhotellerie. Hier sind wir ohnehin der größte Anbieter, immer mehr Häuser sind nur bei uns zu buchen. Das sind entscheidende Vorteile für die Kunden von Tui.com. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Interview: Thomas Wüpper