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Deutschland / Welt Wirtschaft lässt Krise hinter sich
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Wirtschaft lässt Krise hinter sich
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17:08 22.06.2010
Quelle: dpa
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Die deutsche Wirtschaft findet wieder zu alter Stärke zurück. Nach einem Dämpfer im Vormonat hellte sich die Stimmung im Juni überraschend wieder leicht auf. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg dank besserer Einschätzungen der befragten Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage von 101,5 auf 101,8 Punkte.

Damit hat das Konjunkturbarometer wieder das Niveau aus dem Mai 2008 und damit aus der Zeit vor der Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht. Die Zukunftserwartungen trübten sich allerdings zum zweiten Mal in Folge etwas ein. „Dennoch sind die Unternehmen weiter zuversichtlich, die Konjunkturerholung setzt sich fort“, sagte ifo- Präsident Hans-Werner Sinn. Die meisten Experten hatten mit einem leichten Rückgang des Konjunkturbarometers gerechnet.

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Auch ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger sieht in der zunehmenden Skepsis der Unternehmen für die kommenden Monate noch keinen Anlass zur Sorge. „Die Konjunkturerholung ist intakt“, sagte Abberger der Nachrichtenagentur dpa. Dafür sprächen auch die günstigen Bewertungen zur derzeitigen Lage. „Im ersten Halbjahr hat die deutsche Wirtschaft einen starken Sprung nach vorne gemacht.“ Nun rechneten die Firmen offenbar damit, dass es nicht mehr ganz so schnell vorangehe.

Dämpfend dürften sich dabei auch die Milliarden-Sparpläne der Bundesregierung auswirken, sagte Abberger. „Sie sind aber auch wichtig, um die ganze Entwicklung nachhaltig zu machen. Wenn die Politik nichts täte, könnte die Konjunktur auch Schaden nehmen.“ So habe die Diskussion der vergangenen Wochen viele Bürger verunsichert und beispielsweise Inflationsängste geschürt.

Grundsätzlich seien die Sparpläne von ihrem Umfang her in Ordnung, doch könnte das Thema Subventionen noch etwas stärker angegangen werden, sagte Abberger. „Man sollte die ganze Liste durchgehen, dazu gehören auch reduzierte Mehrwertsteuersätze, beispielsweise in der Gastronomie.“

Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft und wird monatlich aus der Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt. Ihre derzeitige Geschäftslage beurteilten die Firmen im Juni etwas besser, der entsprechende Index legte von 99,4 Punkten auf 101,1 Punkte zu. Der Index für die Geschäftserwartungen ging dagegen von 103,7 auf 102,4 Punkte zurück.

In der Industrie verbesserte sich die Stimmung etwas. Erneut beurteilten die Unternehmen ihre derzeitige Lage günstiger, ihr Optimismus für die kommenden Monate schwächte sich aber etwas ab. Viele Firmen stellen sich darauf ein, dass das Exportgeschäft künftig nicht mehr ganz so kräftig zulegen wird, wie bisher. Ihr Personal wollen die Unternehmen weitgehend stabil halten.

Auch im Großhandel und in der Bauwirtschaft verbesserte sich das Klima im Juni etwas. Einzig im Einzelhandel kühlte sich die Stimmung zur Jahresmitte etwas ab. Mit ihrer derzeitigen Situation zeigten sich die Einzelhändler zwar weniger unzufrieden als noch im Mai, doch schätzen sie die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten zurückhaltender ein.

dpa