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Wohnungsnot: Städte kommen bei Neubauten nicht hinterher

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08:36 22.07.2019
Wohnungsnot: Angebot und Nachfrage sind in Städten und Metropolen schon länger unausgeglichen. Quelle: Paul Zinken/dpa
Köln

In einigen Ballungsräumen in Niedersachsen werden laut einer Studie viel zu wenige Wohnungen gebaut. So sei der jährliche Bedarf an Neubauwohnungen in Braunschweig seit 2016 nur zu rund einem Drittel gedeckt (35 Prozent), heißt es in der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Autoren verglichen die Zahl der in den vergangenen drei Jahren fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie der Bevölkerungsentwicklung und den Leerständen schätzten.

Auch in anderen Städten Niedersachsens werden die Wohnungen demnach knapp. So wurden in der Region Hannover nur 59 Prozent der Wohnungen gebaut, die nötig gewesen wären. In Osnabrück waren es 63 Prozent. Etwas besser schneidet Bremen mit 86 Prozent ab, Wolfsburg gelang fast eine Punktlandung mit 102 Prozent - und in der Stadt Oldenburg seien mit 112 Prozent sogar einige Wohnungen zu viel auf dem Markt.

Dieses Problem konstatiert die Studie auch für die ländlichen Regionen. In Schaumburg etwa seien fast doppelt so viele Wohnungen fertiggestellt worden wie benötigt, das Verhältnis von Fertigstellungen und Bedarf lag dort bei 190 Prozent. Auch im Emsland (143 Prozent) und in Friesland (178 Prozent) wurde den Berechnungen zufolge deutlich zu viel gebaut.

In Köln wird der Bedarf nur zur Hälfte gedeckt

In einigen Städten in Deutschland sieht es noch schlimmer aus: So sei der Bedarf an Neubauwohnungen in Köln seit 2016 noch nicht mal zur Hälfte gedeckt worden (46 Prozent), heißt es in der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Autoren verglichen hierbei die Zahl der in den vergangenen drei Jahren fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Leerständen schätzten.

In anderen Großstädten sieht es ebenfalls schlecht aus. So wurden in Stuttgart 56 Prozent der Wohnungen gebaut, die nötig gewesen wären. Nur etwas besser war die Lage in München (67 Prozent), Berlin (73) und Frankfurt/Main (78). „Hier fehlen nicht nur aktuell Wohnungen, sondern auch längerfristig bedarf es einer weiteren Steigerung der Bautätigkeit“, schreiben die Autoren Ralph Henger und Michael Voigtländer.

Auch in vielen Universitätsstädten wie Münster werde zu wenig gebaut. Gründe für die Misere sind der hohe Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. „Man kommt mit dem Bauen nicht hinterher“, sagte Henger.

Ausgebauter Nahverkehr würde Vororte attraktiver machen

Die Städten müssten sich anstrengen, um die Mietenentwicklung zu bremsen, mahnen die Autoren. Entscheidend hierfür sei in den Metropolen die Bereitstellung von Bauland, um Investoren anzulocken. Zudem sollten mancherorts alte Gebäude umgebaut werden, anstatt neue zu errichten. Auch sollten der Bund und das Land finanziell klamme Städte wie Köln stärker unterstützen, etwa für den Ausbau des Nahverkehrs.

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Wenn das Umland besser angeschlossen wäre, würde das Wohnen dort attraktiver und der innerstädtische Druck des Wohnungsmarktes würde sich etwas abschwächen.

Ganz anders sieht es auf dem Land aus: Dort wird mancherorts zu viel neu gebaut, etwa in Sachsen-Anhalt, Sachsen, im Saarland und in den Randgebieten Bayerns. „Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind“, sagte Studienautor Henger.

Dorfzentren verlieren Bedeutung

Durch Neubaugebiete vor den Türen von Kleinstädten verlieren Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung und das Leerstand-Probleme verschärfe sich da. „Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden.“

Der Grundsatz „Umbau vor Neubau“ sei hier wichtig. In einem Drittel der deutschen Kreise sollte „die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden“, heißt es in der Studie.

In den Jahren 2019 und 2020 werden den Angaben zufolge in ganz Deutschland je 342.000 neue Wohnungen benötigt, um den Bedarf zu decken. 2018 wurden nur 287.000 Wohnungen fertiggestellt. Dieser Wert dürfte dieses Jahr nicht deutlich anspringen - die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bleibt also groß.

Immerhin eine halbwegs gute Nachricht enthält die Untersuchung auch. Denn perspektivisch könnte sich das Problem Wohnungsknappheit etwas entschärfen: Nach Schätzung der Studienautoren sinkt der Bedarf bis 2025 auf jährlich rund 260.000 und bis 2030 auf rund 246.000 Wohnungen.

Hauptgrund hierfür: Die zu erwartende sinkende Zuwanderung, die nicht dauerhaft auf einem Niveau von mehr als 400.000 Menschen pro Jahr bleiben dürfte.

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Von RND/dpa