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Deutschland / Welt Zahl der Azubis sinkt schneller
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Zahl der Azubis sinkt schneller
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13:33 02.06.2010
Von Jens Heitmann
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Die Unternehmen werden sich schneller als erwartet auf einen Mangel an Auszubildenden einstellen müssen. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung wird sich im Osten Deutschlands die Altersgruppe der 19- bis 24-Jährigen bereits in den kommenden fünf Jahren nahezu halbieren. In Niedersachsen trifft der Rückgang vor allem den südlichen Landesteil und die Landkreise Emsland, Vechta und Nienburg sowie die Städte Osnabrück und Wilhelmshaven – mit einem Minus von bis zu einem Viertel bis zum Jahr 2025.

Verantwortlich für den rasanten Einbruch im Osten ist der sehr starke Geburtenrückgang kurz nach der Wende. Da in den Jahren nach der Deutschen Einheit die Zahl der Geburten wieder zunahm, steigt die Anzahl der 19- bis 24-Jährigen in den östlichen Bundesländern zwischen 2015 und 2025 sogar wieder leicht. Bundesweit jedoch schrumpft die Zahl der Personen in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2025 um voraussichtlich 1,2 Millionen Menschen.

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In den westlichen Bundesländern verzeichnet die Stiftung im Zeitraum von 2006 bis 2011 sogar eine leichte Steigerung bei der Anzahl der 19- bis 24-Jährigen. Dann folgt eine kontinuierliche Abnahme, sodass dieser Altersgruppe 2025 etwa 15 Prozent weniger Einwohner angehören werden als 2006.

Das treffe die Wirtschaft hart, sagte Vorstandsmitglied Brigitte Mohn, „da in diesen Altersjahrgängen Studium, Meisterausbildung und andere weiterführende Ausbildungen stattfinden“. Besonders betroffen seien Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (jeweils minus 48 Prozent), Thüringen (minus 46 Prozent), Sachsen (minus 42 Prozent) und Brandenburg (minus 39 Prozent). Im Mittelfeld liegen Berlin (minus 27 Prozent), das Saarland (minus 26 Prozent), Rheinland-Pfalz (minus 19 Prozent), Bremen (minus 18 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (minus 17 Prozent).

Verglichen damit steht Niedersachsen mit einem Minus von 13 Prozent noch gut da und liegt auf einer Ebene mit Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Am besten schneidet Schleswig-Holstein ab mit einem Minus von 8 Prozent. Ein Sprecher des Innenministeriums in Kiel zeigte sich von dieser Zahl positiv überrascht – eine Erklärung hatte er nicht.

Deutliche Veränderungen gibt es auch in den anderen Altersgruppen: Während die Zahl der 45- bis 64-Jährigen bis 2025 um 1,4 Millionen zunimmt, wird die Zahl der jüngeren Erwerbstätigen von 25 bis 44 Jahren um 3,7 Millionen sinken.

In Niedersachsen haben Landesregierung, Kammern und Verbände einen „Pakt für Ausbildung und Fachkräfte­nachwuchs“ geschlossen. So soll etwa die Quote der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss auf 5 Prozent sinken, und die Wirtschaft will jährlich 3000 neue Ausbildungsplätze sowie 3000 Plätze für Einstiegsqualifizierungen zur Verfügung stellen. „Der Pakt funktioniert“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. „Wir sind uns einig, dass alle Jugendlichen ausbildungsfähig gemacht werden müssen.“