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Deutschland / Welt Flugzeuge in Hannover bleiben am Boden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Flugzeuge in Hannover bleiben am Boden
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09:46 27.03.2014
Auf dem Flughafen in Langenhagen werden am Donnerstag etliche Flüge gestrichen. Quelle: Stratenschulte
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Hannover/Frankfurt

Fluggäste in ganz Deutschland müssen am Donnerstag mit massiven Störungen und Flugausfällen rechnen: Die Gewerkschaft ver.di weitet die Warnstreiks im öffentlichen Dienst auf die großen deutschen Flughäfen aus. ver.di hat die Tarifbeschäftigten der  Flughafenbetreiber in Frankfurt, München, Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart aufgerufen, die Arbeit bis zum Ende der Frühschicht ruhen zu lassen. Beginn ist um 4 Uhr morgens, die Aktionen sollen bis 15 Uhr andauern.

Die Streikankündigung hat erhebliche Auswrkungen für Fluggäste, die von Hannover abfliegen oder dort ankommen wollen. Zahlreiche Flüge fallen am Donnerstag aus. Allein die Lufthansa hat angekündigt, deutschlandweit fast 600 Flüge zu streichen. Ob und wenn ja wieviele Flüge von anderen Airlines gestrichen werden, ist bislang unklar. Condor plant keine Flugstreichungen. Die An- und Abflugzeiten von zwölf Flügen wurden geändert, so dass sie nicht in die Streikzeiten fallen. Davon sind 3000 Passagiere betroffen. Vier Flüge wurden von Frankfurt nach Düsseldorf verlegt. Dort sei mit geringeren Auswirkungen des Ausstands zu rechnen, sagte ein Condor-Sprecher. Eine Sprecherin von Air Berlin teilt mit, dass Gäste, die von streikbedingten Flugstreichungen betroffen sind, kostenlos auf Flüge bis zum 31. Mai umbuchen oder stornieren können. Auch die Lufthansa bietet einen ähnlichen Service an.

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Gestrichene Lufthansa-Flüge

6.50 Uhr: Hannover - Frankfurt (LH049)

6.50 Uhr: München - Hannover (LH2088)

7.00 Uhr: Hannover - München (LH2105)

8.10 Uhr: Frankfurt - Hannover (LH048)

8.50 Uhr: Hannover - München (LH2089)

9.05 Uhr: München - Hannover (LH2092)

9.45 Uhr: Frankfurt - Hannover (LH050)

10.05 Uhr: Hannover - Frankfurt (LH053)

11.00 Uhr: München - Hannover (LH2094)

11.20 Uhr: Hannover - Frankfurt (LH055)

12.50 Uhr: Hannover - München (LH2095)

13.10 Uhr: Frankfurt - Hannover (LH052)

14.45 Uhr: Hannover - Frankfurt (LH057)

Ein Verdi-Sprecher erklärte, aufgerufen zu Arbeitsniederlegungen seien unter anderem Beschäftigte in der Flugzeugversorgung, in der Gepäckabfertigung und bei den Personenkontrollen. „Wir rechnen mit Verzögerungen im Ablauf und bei der Abfertigung von Flugzeugen durch den Warnstreik“, teilte Verdi mit. Wie viele Beschäftigte des Flughafens Mitglied in der Gewerkschaft sind, dazu machte Verdi keine Angaben.

Eine Flughafensprecherin sagte: „Wir schätzen die Streikbereitschaft hier in Hannover eher als gering ein.“ Dennoch sei mit Blick auf den Arbeitskampf an anderen Luftdrehkreuzen wie etwa Frankfurt auch in Hannover mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen. Reisende sollten sich rechtzeitig bei ihren Fluggesellschaften informieren.

Laut Gewerkschaft sollen in Frankfurt unter anderem die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste, der Frachtabfertigung und der Passagierkontrollen von 3.30 Uhr an für elf Stunden streiken. Die Beschäftigten der Flughafenfeuerwehr bleiben regulär im Dienst, andernfalls könnte der Flugverkehr aus Sicherheitsgründen gar nicht stattfinden.

"Der Flughafen als größter öffentlicher Arbeitgeber in Hessen bleibt in dieser Tarifauseinandersetzung nicht ungeschoren", erklärte der Frankfurter ver.di-Sekretär Gerold Schaub. "Wir haben eine Übereinkunft erzielt, dass ein gewisser Grundbetrieb am Flughafen noch möglich sein sollte", erklärte dazu ein Sprecher der Fraport AG. Das Unternehmen bedauere die massiven Maßnahmen bereits zu einem Zeitpunkt, an dem noch aussichtsreiche Verhandlungen geführt werden. Die Airlines müssten nun entscheiden, welche Flüge sie am Donnerstag noch stattfinden lassen wollen.

Fragen und Antworten

Ist auch Ihr Flug von dem Streik betroffen? Das müssen Sie wissen.

Eine Sprecherin des Dax-Konzerns kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft. Die Belastungen des Streiks müssten vor allem die Passagiere der Lufthansa tragen - wie schon beim Warnstreik des privaten Sicherheitspersonals in Frankfurt am 21. Februar dieses Jahres. "ver.di nimmt erneut in Kauf, dass eine dritte Partei, die nicht Teil der Tarifauseinandersetzung ist, durch den Streik geschädigt wird." Kritik kam auch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Dessen Gewerkschaftsexperte Hagen Lesch bezeichnete das Vorgehen von ver.di als nicht mehr verhältnismäßig. "Wenn man nach der zweiten Verhandlungsrunde mit den Worten auseinander geht, man habe sich angenähert, wozu braucht man dann noch einen Streik als Druckmittel?", fragte er.

ver.di verlangt in dem Tarifkonflikt mit den öffentlichen Arbeitgebern von Bund und Kommunen eine Tariferhöhung um 100 Euro plus 3,5 Prozent. Für die Beschäftigten in der untersten Tarifgruppe würde die vollständige Umsetzung ein Lohnplus von mehr als 10 Prozent bedeuten.

Die Warnstreiks an den Flughäfen sind der Höhepunkt der bereits zweiten Warnstreikwelle. Neben dem ver.di-Warnstreik drohen dem Luftverkehr in den kommenden Tagen auch Streiks der Lufthansa-Piloten. Die Gewerkschaft "Vereinigung Cockpit" ist seit der vergangenen Woche nach einer sehr deutlichen Urabstimmung von rund 5400 Lufthansa-Piloten streikbereit. Bis Dienstagabend hatte sie aber noch keinen konkreten Termin für einen ersten Ausstand bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings benannt. Dieser soll mit 48 Stunden Vorlauf angekündigt werden. Erst am 21. Februar hatten die ebenfalls von ver.di vertretenen privaten Sicherheitskräfte Deutschlands größtes Drehkreuz für einen ganzen Tag lahmgelegt, indem die Passagiere an den Eingängen unkontrolliert blieben und so ihre Flüge nicht antreten konnten. Über die Gehälter der rund 5000 Beschäftigten dieser Berufsgruppe sollte an diesem Mittwoch wieder verhandelt werden.

Bahn setzt zusätzliche Züge ein

Die Bahn setzt wegen der für Donnerstag angekündigten Warnstreiks an sieben Flughäfen zusätzliche Züge an Knotenpunkten ein. Alle verfügbaren Züge seien im Einsatz, teilte die Bahn am Mittwoch mit. Am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens und gegebenenfalls an weiteren Stationen soll es zusätzliche Mitarbeiter geben. Kunden von Lufthansa, Germanwings und Air Berlin können bei den Fluggesellschaften ihre Flugtickets in Gutscheine für die Bahn umwandeln lassen.

dpa

25.03.2014
25.03.2014