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Wirtschaft Hackathon bei Talanx
Nachrichten Wirtschaft Hackathon bei Talanx
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02:17 02.05.2018
Rund 120 Studierende, Absolventen und Berufserfahrene aus  ganz Deutschland stellen sich beim Hackathon drei verschiedenen Coding-Challenges. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Eigentlich war die Idee, das Auto direkt mit der Versicherung reden zu lassen: Autobahn, Steinschlag, Scheibe kaputt, das Auto meldet sich sofort bei der Versicherung und regelt den Schaden, bevor der Wagen in der Werkstatt ist. Hat nicht ganz geklappt: Die Datengrundlage war nicht so schnell zu beschaffen. Aber solche Widrigkeiten bringen Leute wie Ana Camelia Hanos und ihren Mann Felix aus Hannover, Mihai Pop und Vlad Dialog aus Baia Mare in Rumänien und Uwe Kopp aus Paderborn nicht aus der Ruhe. Sie habe einfach umgeswitcht und eine Sprachsteuerungsanwendung entwickelt, mit der man am Telefon eine Kfz-Versicherung abschließen kann. Name nennen, Automarke nennen – und so weiter, bis zur Unterschriftserklärung.  Dafür hat das Team nicht mehr als 30 Stunden gebraucht.

Am Wochenende war im Atrium des Talanx-Glaspalastes an der Riethorst in Hannover mehr Trubel als sonst wochentags, und auch die Atmosphäre war ungewöhnlicher als üblich. 120 vorwiegend junge Leute haben sich zum „Hackathon“ getroffen, einem Marathon für Hacker, sprich: für IT-Tüftler und -Kreative. Tische voller Computer, Flipcharts mit Notizen zu „Landingpage“ oder oder „Dashboard“, eine gewisse Überrepräsentanz von T-Shirts und Bärten und eine gewissen Unterrepräsentanz von gedeckten Anzügen und Frauen, eine Batterie von Feldbetten und am Ende doch etliche übernächtigte Gesichter – so sieht dieser Hackathon aus. Anderswo zahlen Unternehmen den Programmierteams Startprämien, das hatte Talanx nicht nötig. „Wir konnten schon bald ein ‚Ausgebucht’-Schild auf die Webseite stellen“,  berichtet Peter Klingspor, Leiter Strategie- und  Konzernunternehmensentwicklung. „Hack it over“ heißt der erste Talanx-Hackathon: Hack fürs Programmieren, it für IT, over für Hannover.

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Die Aufgabe: Innerhalb von 30 Stunden eine Lösung für eine Problemstellung aus den Bereichen Mobilität, Spracherkennung oder Arbeitswelt der Zukunft zu programmieren. Wer eine Idee hat, hat 45 Sekunden Zeit, sie auf der Bühne zu präsentieren, dann scharen sich ein paar Leute um ihn, die das Interesse teilen, wie beim Ehepaar Hanos und der Kfz-Vertrag-App. So kommen 23 Teams zusammen, und sie können mit Echtzeitdaten von Partnern arbeiten, die Talanx mit ins Boot geholt hatte. Der Softwareriese SAP etwa ist dabei, die VW-Finanzdienstleistungen oder Rossmann.

Nicht nach Berlin abwandern

Torsten Leue, Talanx-Vorstandsmitglied und demnächst Konzernchef, erläutert, Talanx wolle schneller, kundenorientierter und effizienter werden, da helfe IT. Talanx will auch deutlich machen, dass das Unternehmen kein angestaubter Versicherungspolicenverkäufer ist, sondern ein Unternehmen mit zahlreichen spannenden Digital-Jobs. Und schließlich: „Hannover ist ein guter Standort“, sagt er. „Wir wollen zeigen, dass nicht alles nach Berlin abwandern muss.“

Dafür die 3,5 Kilometer Kabel und die 350 Netzwerksports im Atrium. Plus 1200 Liter Kaltgetränke. Plus 1000 belegte Brötchen und 900 Müsliriegel. Talanx-Vorstandsmitglied Jan Wicke, demnächst Hauptverantwortlicher für IT, schwärmt von der „Can-do-Atmosphäre“ und davon, dass in manchen Teams der Teamleader in drei Stunden fünfmal wechselt: „Es macht immer der, der es gerade am besten kann.“ So viel Flexibilität findet er faszinierend. 

Der Sonntagnachmittag steht im Zeichen der Präsentation der Ergebnisse. Es winken Preise von bis zu 10000 Euro.  Ein Team hat sich beispielsweise an eine Sprach-App gesetzt, die Rentner oder andere Leute, die nicht so gut zu Fuß sind, bei Bestellungen im Supermarkt oder in der Apotheke unterstützen soll. Ein anderes stellt eine Hotline-Computerapp vor, die erkennt, wann ein Kunde doch besser zu einem real existierenden Berater verbunden wird. Richard Meinersen, Programmierer aus Berlin, verweist auf die Schäden, die in Deutschland jährlich durch Diebstähle entstehen, und möchte eine Plattform schaffen, auf der man gestohlene Gegenstände melden kann. Potentielle Kunden von Gebrauchtswaren können dort dann auch gleich nachgucken, ob das, was sie kaufen wollen, vielleicht gar nicht dem Verkäufer gehört. 

Die Sprachsteuerung dafür kann Meinersen aber nicht vorführen: Der Amazon-„Alexa“-Sprachcomputer versteht nur Bahnhof. Soll vorkommen. Der Applaus ist trotzdem riesig. Hier kennt das jeder, dass mal was nicht funktioniert. Kein Grund zum Kopf-in-den-Sand-stecken.

Von Bert Strebe