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Hanomag Lohnhärterei in Hannover: Gewerkschaft prangert „Terror im Betrieb“ an

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20:01 16.07.2019
Unterstützen die Betriebsräte der Hanomag Lohnhärterei: Gewerkschafter vor dem Arbeitsgericht Hannover. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Der Nieselregen ist kein Freund der Versammlungsfreiheit. Und doch kamen trotz des verhangenen Himmels am Dienstag mehrere Dutzend Gewerkschafter mit Flaggen und Trillerpfeifen vor dem Arbeitsgericht Hannover zusammen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Sie prangerten Zustände bei der Hanomag Lohnhärterei in Marienwerder an. Ihr Vorwurf: In dem Familienbetrieb, der vor gut 30 Jahren aus der heutigen Firma Komatsu hervorging, würden Betriebsratsmitglieder drangsaliert, seit sie für die Einführung von Tarifverträgen aktiv geworden seien.

Juniorchef Karsten Seehafer soll versucht haben, Betriebsratsmitglieder in Einzelgesprächen zum Rücktritt von ihrem Ehrenamt zu bewegen. Dabei soll ihnen angedroht worden sein, sie könnten an einen schlechter entlohnten Arbeitsplatz versetzt werden, falls sie ihr Amt nicht niederlegten. In einem Fall sei ein Betriebsratsmitglied nach einem solchen Gespräch tatsächlich zurückgetreten. „Dieses Vorgehen ist ein Skandal“, sagte IG-Metall-Sekretär Andreas Nolte. „Die Kollegen stehen in großer Mehrheit hinter ihrem Betriebsrat.“ An einem Warnstreik hätten sich zahlreiche Mitarbeiter beteiligt.

„Persönliche Enttäuschung“ des Firmenchefs

Dirk Schulze, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hannover, sprach bei der Solidaritätskundgebung von „Terror im Betrieb“ und beklagte Einschüchterung und Erpressung. „Betriebsratsarbeit zu behindern ist in Deutschland strafbar“, rief er. Der Betriebsrat hatte gegen die Geschäftsführung des rund 190 Mitarbeiter zählenden Unternehmens, das auf die Wärmebehandlung von Stahl spezialisiert ist und besonders für die Autoindustrie arbeitet, ein Verfahren beim Arbeitsgericht beantragt. Er will, dass der Firmenleitung ein Ordnungsgeld in Höhe von 10 000 Euro angedroht wird, wenn sie ihr Vorgehen nicht unterlässt.

Als Rechtsanwalt der Arbeitgeber bemühte sich Christoph Putzer vor dem Gericht, die Wogen zu glätten. Die Hanomag Lohnhärterei sei ein Familienunternehmen. Der Juniorchef kenne die Mitarbeiter teils seit Jahren. Dass es Einzelgespräche mit Betriebsratsmitgliedern gegeben habe, bestritt er nicht. Dabei sei auch „persönliche Enttäuschung“ im Spiel gewesen, zumal die Forderung nach Tarifverhandlungen überraschend und „ohne Vorwarnung“ gekommen sei. Seinen Mandanten sei nicht an einer Eskalation gelegen, versicherte er.

Rechtsstreit wird im Oktober fortgesetzt

Gleichwohl scheiterte der Gütetermin vor dem Arbeitsgericht. „Es geht nicht, dass Druck auf einzelne Personen ausgeübt wird“, sagte Betriebsratsanwalt Detlef Fricke. Im Oktober wird der Rechtsstreit dort nun in aller Ausführlichkeit verhandelt werden. Im Betrieb herrsche derzeit eine „angespannte Situation“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Manfred Hübschke.

Dies zeigte sich auch in einem zweiten Verfahren: Die Lohnhärterei will einem Werkstoffprüfer kündigen, der sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung engagiert und Sonderkündigungsschutz genießt. Sie wirft ihm vor, die Härteprüfung bestimmter Bauteile manipuliert zu haben. „Jetzt liegt eine Reklamation eines Kunden über 30 000 Euro auf dem Tisch“, sagte Arbeitgeberanwalt Putzer. Der Betriebsrat hingegen verweigert der Kündigung die Zustimmung. Der Werkstoffprüfer weist die Vorwürfe zurück; er habe sich korrekt verhalten. In diesem Verfahren stellte Putzer eine gütliche Einigung in Aussicht: „Wir sind gesprächsbereit, eine einvernehmliche Lösung zu finden.“ Der Streit um die Arbeit des Betriebsrats hingegen dürfte nicht so schnell vom Tisch sein.

Von Simon Benne

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