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IG-Metall-Vorsitz: Nur 71 Prozent votieren für Hofmann

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21:01 08.10.2019
IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und seine Stellvertreterin Christiane Benner. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Nürnberg

Mit einem überraschend schwachen Ergebnis ist Jörg Hofmann wieder zum Chef der IG Metall gewählt worden. Für den seit 2015 amtierenden Ersten Vorsitzenden stimmten am Dienstag nur 71 Prozent der Delegierten auf dem Gewerkschaftstag in Nürnberg. Mehr als 130 der 478 Delegierten votierten gegen ihn. Nur Jürgen Peters, dessen Wahl ein interner Machtkampf mit seinem Widersacher Berthold Huber vorausgegangen war, hatte im Jahr 2003 mit 66,1 Prozent der Stimmen ein noch schlechteres Resultat erzielt.

Hofmann brauchte mehr als drei Stunden nach der Verkündung seines Ergebnisses, um schmallippig zuzugeben: „Es ist sicherlich eine Enttäuschung. Andererseits ist es ein ehrliches Ergebnis.“ Es spiegle die Umbruchsituation wider, in der sich etliche Branchen im Zuständigkeitsbereich der IG Metall befänden. Er zeigte sich jedoch auch kämpferisch und kündigte an, trotz seines Alters von 63 Jahren die volle Amtszeit von vier Jahren durchzuhalten. Erfahrung sei in schwierigen Zeiten nicht unbedeutend.

Delegierte verweisen auf Hofmanns Alter

Unter den Delegierten herrschte nach der Abstimmung Rätselraten. Als möglicher Grund für die Skepsis zahlreicher Gewerkschafter gilt Hofmanns vergleichsweise hohes Alter. „Wenn wir die Rente mit 67 ablehnen, fragen sich manche vielleicht, warum der erste Mann der IG Metall unbedingt noch mit 68 Jahren im Amt sein soll“, sagte ein Gewerkschafter aus Hannover. Auch das gute Ergebnis für seine Stellvertreterin Christiane Benner, die 87 Prozent der Stimmen erhielt, lasse sich als Wunsch für einen Generationswechsel deuten, meinte ein Betriebsrat beim Autozulieferer Continental.

Unzufrieden in Ostdeutschland

Spekuliert wurde in Nürnberg auch über eine Unzufriedenheit von Delegierten aus Ostdeutschland, weil die IG Metall dort die 35-Stunden-Woche noch nicht durchsetzen konnte. Ein weiterer Faktor sei vielleicht die Unsicherheit über den künftigen Kurs, sagte ein Funktionär aus Niedersachsen. Die Gewerkschaft hatte im Sommer gemeinsam mit den Umweltverbänden Nabu und BUND für eine erfolgreiche Energie- und Mobilitätswende geworben: „Dass das nicht jedem Malocher in der Autoindustrie gefällt, ist klar.“ Die Schwierigkeiten bei diesem Spagat sind auch Hofmann bewusst. Gleichwohl bekennen er und die IG-Metall-Spitze sich klar zum Klimaschutz.

Mag es Hofmann, Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen und beim Zulieferer Bosch, in der Automobilbranche noch gelingen, die Fäden zwischen Traditionalisten und Modernisierern zusammenzuführen, fühlen sich die Arbeitnehmer anderer traditioneller Branchen mitunter nicht mehr ausreichend aufgehoben in der IG Metall. „Wir kriegen den Wirtschaftskrieg voll zu spüren“, sagte Abdullah Yilmaz, Betriebsrat eines Stahlwerkes in Nordrhein-Westfalen, das schon die Hälfte seiner Mitarbeiter verloren hat. In der IG Metall aber werde zurzeit viel über Autos geredet.

Solide Amtsführung

Hofmanns Amtsführung gilt als solide – und innerhalb der Gewerkschaft werden ihm besonders die Ergebnisse der vergangenen Tarifrunde hoch angerechnet. Zudem steigt die Zahl der Mitglieder. Viele attestieren dem Team Hofmann/Benner Augenmaß und ein Gespür dafür, wie der Wandel in der Metall- und Elektroindustrie sinnvoll begleitet werden kann.

Während Altvordere in der Gewerkschaft die Arbeitgeberseite auf offener Bühne als „Feinde“ bezeichnen, spricht Hofmann von „unseren Tarifpartnern“. Was andere als offene Gräben beklagen, nennt Hofmann „Spannungsfelder“, in denen sich die IG Metall und ihre Branchen bewegen müssten. Die Debatte darüber, wie die Gewerkschaft mit den Umbruchsituationen umgehe, müsse offen geführt werden. Besitzstände verwalten ist nicht das, was Hofmann unter moderner Gewerkschaftsarbeit versteht. Im nächsten Frühjahr ist er wieder ganz klassisch gefragt. Dann steht eine neue Tarifrunde ins Haus, und Hofmann gilt als gewiefter Tarifexperte.

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