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Konjunktur: Handwerker ausgebucht - Kunden warten monatelang

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06:00 16.05.2019
Auch nicht leicht zu finden: Fliesenleger. Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dp
Hannover

Die Waschmaschine ist kaputt, der Wasserhahn tropft – doch bis ein Handwerker kommt, vergeht viel Zeit. Im Durchschnitt dauert es inzwischen fast zehn Wochen, bis ein Auftrag erfüllt wird. Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks hervor. Noch mehr Geduld braucht, wer ein Haus baut. Auf Bauhandwerker wie Maurer etwa muss man sogar 14,5 Wochen waren. Tischler, Sanitärhandwerker oder Elektriker, sogenannte Ausbauhandwerker, benötigen immerhin fast elf Wochen.

Vor allem im Ausbauhandwerk hapert es

Im Raum Hannover sind die durchschnittlichen Wartezeiten sogar etwas länger, sagt Dietmar Rokahr, Geschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. „Das gilt natürlich nicht für akute Sachen wie Heizungsausfall, wo geholfen werden muss.“ Aber die Konjunktur brumme seit Jahren, weswegen die Betriebe sehr gut ausgelastet seien. „Die Auslastung im hannoverschen Handwerk ist noch etwas höher als im Bundesschnitt. Bei uns sind es 84 Prozent, bundesweit 81 Prozent.“ Im Ausbauhandwerk sei die Auslastung mit 87 Prozent noch höher.

„Dass man etliche Monate warten muss, wird vorkommen, aber das sind natürlich Spitzenwerte“, sagt Klaus Richert, Obermeister der Bauinnung in Hannover. Besonders schwierig sei, für vergleichsweise kleine Reparaturaufträge einen geeigneten Handwerker zu bekommen. Dies treffe vor allem Privatkunden – zum Teil auch bei größeren Aufträgen. „Eine Wohnung, die durch einen Todesfall frei geworden ist und jetzt für 30 000 oder 40 000 Euro saniert wird – da könnte es schon einige Monate dauern.“ Unterschiede gebe es auch zwischen städtischen und ländlichen Regionen.

Der Zentralverband weist im Zusammenhang mit den hohen Wartezeiten auch auf den Fachkräftemangel hin. Nicht für alle offenen Stellen lasse sich geeignetes Personal finden. Entspannung sei vorerst nicht zu erwarten. Generalsekretär Holger Schwannecke erklärte, die Konjunktur im Handwerk werde sich nach den Erwartungen der Betriebe im weiteren Jahresverlauf nahezu ungebremst fortsetzen. Auch in Hannover berichtet Dietmar Rokahr von anhaltend guter Lage.

Streichung der Meisterpflicht – ein Fehler?

Hannovers Innungsobermeister Richert macht als einen Grund für den fehlenden Nachwuchs auch einen „politischen Fehler“ aus – die Streichung der Meisterpflicht in vielen Berufen. Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Gewerken die Meisterpflicht weggefallen, etwa für Rollladen- und Jalousienbauer, Gold- und Silberschmiede oder Fliesenleger. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. 

Die lange Wartezeit zeige, „dass wir das Handwerk stärken müssen“, erklärte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). „Ziel ist es, die Fachkräftebasis im Handwerk auszuweiten, sodass Wartezeiten wieder reduziert werden können.“

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