Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wirtschaft Nach Betrugsfällen: Volksbank sperrt Zahlungen an N26 und Co.
Nachrichten Wirtschaft

Nach Betrugsfällen: Volksbank sperrt Zahlungen an N26

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:04 16.06.2019
Für den Kunden praktisch – aus Sicht einiger Volksbanken problematisch: Direktbanken wie N26 könnten es Betrügern zu leicht machen. Quelle: N26
Frankfurt/Freiburg

Genossenschaftsbanken ergreifen Abwehrmaßnahmen gegen betrügerische Überweisungen auf Konten von Direktbanken wie N26 oder Fidor. „Die Volksbank Freiburg hat aufgrund einer Zunahme an Betrugsfällen im Onlinebanking den Zahlungsverkehr mit den Direktbanken N26, Fidor, Revolut, bunq, Solarisbank temporär eingestellt“, sagte ein Sprecher der Volksbank auf Anfrage.

„Hintergrund ist, dass aktuell gerade diese Banken von vermeintlichen Betrügern aufgrund von einfachen Identifikationsverfahren wie beispielsweise Fotoidentifikation – außerhalb von Deutschland – als Zielkonto für vermeintliche Straftaten genutzt werden“, führte der Sprecher aus. Spätestens an diesem Dienstag will die Volksbank ihre Systeme technisch so angepasst haben, dass die Sperre wieder aufgehoben werden kann.

Erhöhte Zahl von Betrugsfällen

Aktuell gebe es „deutschlandweit eine erhöhte Anzahl an Betrugsfällen im Onlinebanking“, erklärte das genossenschaftliche Institut in einer Information an seine knapp 140 000 Privat- und Firmenkunden. Auch bei der Volksbank Rottweil stehen N26 und Fidor nach Angaben von Institutschef Henry Rauner „nach wie vor auf der schwarzen Liste“ – Überweisungen mit diesen Zielen würden gesondert geprüft. Erst wenn der Kunde auf Nachfrage die Richtigkeit bestätige, werde das Geld freigegeben. Nach Rauners Angaben konnten Mitarbeiter seines Instituts mit 42 000 Kunden so schon in zwei bis drei Fällen betrügerische Transaktionen verhindern.

N26 teilte auf Nachfrage mit, das Unternehmen setze wie alle anderen Banken auch „Maßnahmen zur Geldwäscheprävention“ um. „Sobald wir davon erfahren, dass andere Banken einzelne Transaktionen an N26 anhalten, treten wir so schnell wie möglich mit der betreffenden Bank in Kontakt, um das Problem zu lösen. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden reibungslos am Zahlungsverkehr teilnehmen können.“

Leichtes Spiel für Kriminelle

Ein Sprecher der Fidor Bank betonte: „Jeder, der ein Konto bei der Fidor Bank eröffnet, durchläuft das fälschungssichere Video-Ident-Verfahren. Auch wer aus dem Ausland ein Konto eröffnen will, muss dieses Verfahren durchlaufen. Es ist deshalb wenig wahrscheinlich, dass Betrüger Inhaber solcher Konten sind und gestohlenes Geld dorthin überweisen lassen, wo man sie leicht identifizieren könnte.“

Volksbank-Chef Rauner jedoch wird den Eindruck nicht los, dass Finanz-Start-ups Betrügern das Geschäft erleichtern. „Die Identitätspflichten werden vielleicht nicht so streng gehandhabt und auch im Geldwäschebereich sind vielleicht die Systeme nicht auf dem Stand, den auch die Aufsicht sich wünscht.“ Im Mai hatte die Finanzaufsicht Bafin N26 verpflichtet, Mängel bei Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu beheben.

Von Jörn Bender/dpa