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Niedersachsen 30.000 neue Jobs in Niedersachsen
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15:45 05.12.2011
Die Unternehmensdienstleister entwickeln sich in Niedersachsen zur Jobmaschine. Quelle: dpa
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Hannover

Für 2012 peilten die Betriebe ein Plus um weitere  10 000 Jobs an, berichtete der niedersächsische AGA-Chef Harald Tenzer am Dienstag in Hannover. „Der Sektor ist der kräftigste Wachstumsmotor im Norden“, sagte der Braunschweiger Unternehmer.

Die unternehmensnahen Dienstleistungen sind ein klassisches Standbein der mittelständischen Wirtschaft. Allein in Niedersachsen steht die Branche laut AGA für fast 74 000 Firmen mit rund 620 000 Beschäftigten und 59 Milliarden Euro Umsatz. Dazu zählen Gebäudereiniger und Ingenieurbüros genauso wie Finanzdienstleister, IT-Spezialisten, Logistiker, Werbeagenturen und Zeitarbeitsfirmen. Sie alle ließen sich durch die aktuelle Schuldenkrise im Euro-Raum nicht irritieren und blickten zuversichtlich ins neue Jahr, sagte Tenzer.

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Die Probleme liegen anderswo: „Es wird immer schwieriger, offene Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen“, berichtete Holger Bissel, Chef der Creditreform Hannover-Celle. Der Fachkräftemangel erweise sich zunehmend als Wachstumsbremse. Im norddeutschen Vergleich dauere die Suche nach einem Mitarbeiter im Flächenland Niedersachsen sogar am längsten, so Bissel. Mit mehr als vier Monaten liege der Zeitbedarf fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Dramatisch sei die Lage bei IT-Fachkräften, wo Stellen oft mehr als ein halbes Jahr vakant blieben. Haben sich zwei Partner erst einmal gefunden, ist es mit der Treue nicht weit her. Lediglich einer von drei Bewerbern bleibe über die Probezeit hinaus, berichtete Bissel. „Das treibt die Kosten für die Personalsuche zusätzlich in die Höhe.“

Mit durchschnittlich weniger als zehn Mitarbeitern pro Betrieb behandeln die Unternehmensdienstleister das Personalmanagement meist stiefmütterlich. Der AGA will deshalb diese Klientel an sich binden, auch in seiner Funktion als Arbeitgeberverband. In Niedersachsen ist die Branche hier weit weniger vertreten als etwa in Hamburg. „Wir haben hier noch Potenzial“, erklärte Tenzer. Die Branche müsse „ein sozial verantwortliches Gefüge am Markt anbieten“, sagte er mit Blick auf die Debatte um einen gesetzlichen Mindestlohn. In den niedersächsischen AGA-Tarifverträgen liegt die Lohnuntergrenze bei 8,61 Euro.

Dass der Verband die Branche umgarnt, kommt nicht von ungefähr – ist sie doch derzeit besonders erfolgreich am Markt. Bis einschließlich Oktober hätten die Firmen in den fünf Küstenländern ihre Erlöse um 5,4 Prozent gesteigert – bei verbesserter Gewinnsituation, berichtete Tenzer. Für 2012 rechneten die Befragten mit einem Plus von 2,9 Prozent im ersten und 3,6 Prozent im zweiten Halbjahr. Die Stimmung in den Betrieben sei so gut wie seit 2007 nicht mehr.

Lars Ruzic

Lars Ruzic 25.11.2011
Jens Heitmann 24.11.2011
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