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Niedersachsen 6000 Höfe müssen Antibiotika reduzieren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen 6000 Höfe müssen Antibiotika reduzieren
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06:34 24.04.2015
Von Karl Doeleke
Ein Drittel der Mastbetriebe soll dem Land einen Therapieplan vorlegen – sie werden jetzt genauer kontrolliert.
Ein Drittel der Mastbetriebe soll dem Land einen Therapieplan vorlegen – sie werden jetzt genauer kontrolliert. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Das hat nun erstmals konkrete Konsequenzen: Rund 6000 von 21.000 Mastbetrieben werden gezwungen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie sie die Medikamentengabe reduzieren können. Das bestätigte das Agrarministerium am Donnerstag. Das sind – es handelt sich um vorläufige Daten – 28  Prozent aller Tierhalter in Niedersachsen. Sie müssen dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) bis Ende Juli einen Therapieplan vorlegen.

Die Daten beruhen auf einer neuen Erhebung. Zuvor war nur ermittelt worden, wie viele Antibiotika die Tierärzte in den einzelnen Postleitzahlbereichen bestellt hatten. Das waren zuletzt in Niedersachsen mit 856 Tonnen gut die Hälfte der bundesweit 1700 Tonnen. Davon gingen wiederum allein 579 Tonnen in den Postleitzahlenbereich 49 in Niedersachsens Westen, wo die großen Mast­anlagen stehen.

Seit dem vergangenen Juli mussten nun die größten Halter von Puten, Hühnern, Schweinen und Rindern erstmals den genauen Verbrauch in ihren Ställen an das Land melden. Befreit von der Meldepflicht waren nur kleinere Betriebe. Die Daten wurden an den Bund weitergereicht, wo ermittelt wurde, welche Betriebe im Bundesschnitt am meisten Medikamente eingesetzt haben. Zu diesen oberen 25 Prozent bundesweit gehört knapp ein Drittel der großen niedersächsischen Mastbetriebe.

Je nach Tier hat das Land starke Unterschiede festgestellt. Bei den Puten wurden die meisten Antibiotika eingesetzt. Nach Ministeriumsangaben bekommt jeder dritte der Vögel in Niedersachsen täglich Antibiotika. 34 Prozent aller Putenhalter müssen daher mit einem Tierarzt einen solchen Therapieplan erarbeiten. Bei den Rindern ist das Bild differenzierter: 27  Prozent der Betriebe müssen zur „Schulung“, wobei aber fast 70 Prozent eigenen Angaben zufolge gar keine der Medikamente eingesetzt haben. Bei den Schweinen schwankt die Zahl zwischen 26 und 31 Prozent, je nachdem, ob es sich um Ferkel oder ausgewachsene Tiere handelt. Bei den Hühnern sind es 22  Prozent.

Agrarminister Christian Meyer erklärte, die Betriebe mit hohem Verbrauch würden nun sehr genau kontrolliert. Dafür habe das Land 25 neue Stellen beim Laves eingerichtet. „Die Zahlen bestätigen unsere Befürchtung, dass der Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung nach wie vor viel zu hoch ist. Er muss stark reduziert werden“, sagte Meyer. Den Schlüssel dazu sieht der Grünen-Politiker in verbesserten Haltungsbedingungen.

Landvolk-Präsident Werner Hilse warnte vor voreiligen Schritten. Der vom Gesetzgeber vorgesehene erzieherische Effekt solle zunächst abgewartet werden, „ehe wir über rein quantitative Ansätze zum Antibiotikaeinsatz diskutieren“.

Stefan Winter 23.04.2015
Heiko Randermann 25.04.2015