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20:52 07.02.2012
Von Albrecht Scheuermann
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Das Landgericht Hannover muss sich mit 1200 neuen Klagen von Geldanlegern befassen. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Eine Welle von Klagen geschädigter Geldanleger überrollt das Landgericht Hannover. Ein großer Teil von ihnen richtet sich gegen den Finanzdienstleister AWD. Viele Kläger werden von einem Hamburger Anwalt vertreten, der wegen seiner Methoden selbst nicht unumstritten ist.

Beim Landgericht Hannover sind 2011 etwa 1200 Klagen von Geldanlegern eingegangen, die wegen verlustreicher Geschäfte Schadensersatz vom Anbieter beziehungsweise Vermittler fordern. Laut Gerichtssprecher Patrick Gerberding ist das etwa das Dreifache des Vorjahres. Wie viele genau sich davon gegen den zum Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life gehörenden AWD richten, wollte er nicht sagen. Dem Vernehmen nach entfällt jedoch mit rund 800 Klagen der Löwenanteil auf den AWD.

Beim Landgericht sind drei Kammern mit jeweils drei Richtern für diese Fälle zuständig. Ob diese Besetzung angesichts der großen Zahl neuer Fälle ausreiche, müsse man noch sehen, sagte Gerberding. „Wir versuchen, das zunächst mit Bordmitteln zu bewältigen.“
Eine Vielzahl von Klagen sei erst in den letzten beiden Monaten des Jahres 2011 eingegangen, hieß es. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass zum Jahresende eine wichtige Frist abgelaufen ist: Bis dahin mussten mögliche Schadensersatzansprüche aus Geschäften gerichtlich geltend gemacht werden, die bis Ende 2001 abgeschlossen worden waren.

Bei den Verfahren geht es zumeist um Geldanlagen in sogenannte geschlossene Fonds. Das Geld floss dabei zum Beispiel in Immobilien oder Schiffe oder die Produktion von Spielfilmen. Die Geschäfte erwiesen sich für die Geldanleger jedoch häufig als Verlustbringer, während Initiatoren und Vermittler – wie etwa der AWD – dank üppiger Provisionen auf der Gewinnerseite blieben.

Zu den Gewinnern gehören jedoch auch etliche Anwälte, die sich auf die Vertretung von geschädigten Anlegern spezialisiert haben, allen voran Rolf Thiel in Hamburg. Er hat durch eine rege Öffentlichkeitsarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Prozessfinanzierern nach eigenen Angaben 2000 Mandate von Anlegern gewonnen, die vor Gerichten in ganz Deutschland Schadensersatz vom AWD einklagen wollen. Dieser wirft Thiel allerdings vor, das „Geschäftsmodell eines offensichtlich gierigen Anwalts“ zu verfolgen. Es würden mithilfe von Adressenlisten frühere AWD-Kunden systematisch abtelefoniert, um sie zu Klagen zu ermuntern.

Bislang gebe es in solchen Verfahren ungefähr 70 rechtskräftige Urteile zugunsten des AWD, aber keine einzige rechtskräftige Niederlage, erklärte der Sprecher. Allerdings bekommen manche Kläger vor Gericht doch recht. So waren jetzt zwei AWD-Kunden vor dem Landgericht Braunschweig und dem Oberlandesgericht Naumburg erfolgreich. Das Unternehmen wurde zu insgesamt 29.000 Euro Schadensersatz verurteilt. Der AWD will jedoch auch gegen diese Entscheidungen juristisch vorgehen.

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