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Niedersachsen AWD setzt Anda vor die Tür
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21:33 19.03.2012
Von Albrecht Scheuermann
Bela Anda muss beim AWD seinen Stuhl räumen. Quelle: dpa
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Hannover

Die hannoversche Tochter von Swiss Life versuchte den Eindruck zu zerstreuen, dass es sich um einen Rauswurf handeln könnte: „Dieser Schritt erfolgt im besten gegenseitigen Einvernehmen. Der Vorstand dankt Herrn Anda für die hervorragende Arbeit und wünscht ihm alles Gute.“

Allerdings ist dies wohl nicht die ganze Wahrheit. Dem Vernehmen nach hat Carsten Maschmeyer Andas Ende beim AWD zumindest beschleunigt. Der damalige AWD-Chef und -Eigentümer hatte den früheren Regierungssprecher im Jahr 2006 eingestellt, nachdem dieser infolge der Abwahl der Regierung von Gerhard Schröder seinen Job verloren hatte.

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Jetzt scheint jedoch das Tischtuch zwischen Maschmeyer und Anda zerschnitten zu sein. Anlass ist offenbar ein Brief, den Maschmeyer an die AWD-Vertriebsmitarbeiter geschrieben hat. Damit wollte er Besorgnisse dämpfen, dass durch sein mittlerweile veröffentlichtes Buch der ohnehin schon mit genug Affären der Vergangenheit kämpfende AWD erneut ins Gerede kommen könnte. Anda soll einzelne Passagen des Briefes als Spitze gegen seine eigene Arbeit als oberster AWD-Kommunikator aufgefasst und darüber geschimpft haben.

Dies wiederum kam offenbar Maschmeyer zu Ohren. Daraufhin soll er die Personalie mit einem Anruf in Zürich bei seinem Freund Rolf Dörig erledigt haben, der bei Swiss Life den Verwaltungsrat anführt. Schon zuvor hatten wohl einige Äußerungen von Anda, die die heutige Distanz des AWD zu Maschmeyer hervorhoben, Missfallen bei seinem einstigen Gönner erregt. Schließlich hatte Maschmeyer Anda zu besten Bedingungen eingestellt. Der Kommunikationschef soll anfangs mehr als eine halbe Million Euro Jahresgehalt kassiert haben – für eine Aufgabe dieses Zuschnitts eine großzügige Honorierung.

Allerdings wären die Tage von Anda  bei Swiss Life wohl ohnehin gezählt. Der Grund ist einfach: Das einstmals selbstständige Unternehmen wird immer stärker in den Konzern der Mutter Swiss Life eingebunden. Die Aktie ist nicht mehr an der Börse notiert, alle wesentlichen Entscheidungen fallen in Zürich – da kann man sich einen teuren Kommunikationsdirektor sparen.

„Eine eigene Kapitalmarktkommunikation der AWD-Gruppe ist nicht mehr erforderlich“, heißt es in der Mitteilung vom Montag. Die Aufgaben von Anda würden künftig vom bisherigen Team am Standort Hannover unter der Leitung von Unternehmenssprecher Andreas Fischer wahrgenommen.

Jens Heitmann 16.03.2012