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Niedersachsen AWD steht vor Umbenennung
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen AWD steht vor Umbenennung
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23:06 03.07.2012
Von Albrecht Scheuermann
Die Marke AWD dürfte bald Vergangenheit sein. Dann braucht auch die AWD-Arena einen neuen Namen. Quelle: dpa
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Zürich/Hannover

Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ will Swiss Life bis November entscheiden, wie es mit AWD weitergeht. Der von Carsten Maschmeyer aufgebaute und lange Zeit geleitete „Allgemeine Wirtschaftsdienst“, kurz AWD, gehört seit 2008 zum Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life. Dieser hatte dafür fast 1,2 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Allerdings haben sich die Erwartungen der Schweizer an das hannoversche Unternehmen bislang nicht erfüllt. AWD vermittelt in Deutschland sowie einigen anderen europäischen Ländern mit knapp 5000 selbständigen Vertretern Versicherungen und Finanzprodukte. In der Zentrale in Hannover arbeiten rund 550 Angestellte.

Zuletzt machte das Unternehmen vor allem durch angebliche Falschberatung von sich reden. Tausende von Kunden in Deutschland und in Österreich haben in früheren Jahren mit vom AWD vermittelten Geldanlagen schmerzhafte Verluste erlitten. Viele von ihnen klagen deshalb jetzt vor Gericht auf Schadensersatz.

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Das bekommen auch die AWD-Vertreter zu spüren, obwohl diese Geschäfte teilweise schon lange zurückliegen und heute so nicht mehr betrieben werden. Gleichwohl gilt die Marke AWD als angeschlagen. Dazu hat auch der frühere Eigentümer Carsten Maschmeyer beigetragen. Sein Name tauchte zuletzt im Zusammenhang mit der Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff auf, er soll unter anderem die Veröffentlichung einer Wulff-Biographie bezahlt haben. Außerdem gilt Maschmeyer als der Hauptnutznießer der fragwürdigen Geschäfte, die das Unternehmen groß gemacht haben.

Neben dem Imageproblem leidet das Unternehmen jedoch auch unter einer schlechten Geschäftslage. Im Mai hatte Swiss Life berichtet, dass der Umsatz der hannoverschen Tochter im ersten Quartal mit 111 Millionen Euro etwa 18 Prozent niedriger war als vor einem Jahr. Auch das zweite Quartal ist wohl schlecht gelaufen. Dies ist jedoch kein spezifisches AWD-Problem.

Ähnlich miserabel sieht es auch bei Konkurrenzunternehmen aus, weil viele Menschen zurzeit vor dem Abschluss langfristiger Vorsorgeverträge zurückschrecken. So hatte der Finanz- und Versicherungsmakler MLP vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass er im Frühjahr keine Belebung seiner Geschäfte verspürt habe. „Wir liegen bisher unter unseren Erwartungen“, sagte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg. Das Marktumfeld sei wegen der Staatsschuldenkrise „schwierig“.

Rätselraten um AWD-Arena

Eine mögliche Umbenennung des AWD könnte auch für den Bundesligisten Hannover 96 Folgen haben. Dieser ist mit AWD seit vielen Jahren verbunden, weil die Finanzfirma als Namenssponsor der AWD-Arena einen Teil der Stadionkosten übernimmt. Ein langfristiger Sponsoring-Vertrag war bereits im Sommer 2011 ausgelaufen, damals aber für ein Jahr verlängert worden.

Mitte 2013 wäre also Schluss, wenn sich beide Seiten nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Die Frage ist also, ob Swiss Life weiterhin das Sponsoring unabhängig vom Namen der hannoverschen Tochter für interessant hält. Angesichts der relativ schlechten Geschäftslage gilt jedoch derzeit das Kostensparen als Gebot der Stunde. Darunter könnte auch Hannover 96 leiden.

Vereinspräsident Martin Kind hat jedoch nach eigenen Angaben keine Hinweise, dass die Swiss-Life-Tochter aussteigen will. „Wir gehen davon aus, dass die Partnerschaft auch in der kommenden Saison bestehen bleibt“, sagte Kind dieser Zeitung. AWD zahlt für diese Saison rund 1,5 Millionen Euro für die Namensrechte und damit zusammenhängende Leistungen.

Jens Heitmann 06.06.2013
Carola Böse-Fischer 28.06.2012