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Niedersachsen Abkühlung ohne Gänsehaut
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Abkühlung ohne Gänsehaut
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06:15 03.08.2012
Von Lars Ruzic
Der Spaß am Konsum – hier in der Ernst-August-Galerie – ist derzeit nicht mehr so ausgeprägt wie noch in den letzten Monaten. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

„Im Schatten der Euro-Krise hat sich die Stimmung in der regionalen Wirtschaft im Sommer spürbar abgekühlt“, sagt Horst Schrage, von morgen an neuer Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover.

Vor allem beim Blick in die Zukunft legen die Unternehmer die Stirn derzeit in Falten - während die Substanz der Betriebe stimmt. Die Unternehmensgründungen bleiben auf vergleichsweise hohem, Pleiten auf vergleichsweise niedrigem Niveau. In sofern gebe der HAZ-Hannover-Trend für das zweite Quartal, der gemeinsam mit Arbeitsagentur, Creditreform und IHK Hannover entsteht, „keinen Anlass zur Beunruhigung“, meint Holger Bissel, geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform Hannover-Celle.

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Insgesamt sei die regionale Wirtschaft robust aufgestellt, ergänzt Schrage. Die Grunddaten bei Beschäftigungs- und Investitionsplanung seien stabil. „Wir stecken gegenwärtig in einer Wachstumsdelle.“ Da mehr als 60 Prozent aller Exporte aus dem Raum Hannover in die EU gingen, spürten die heimischen Betriebe zunehmend die Krise der Mittelmeerländer. Das Exportwachstum in Richtung USA, Brasilien, Russland, Indien oder China könne diese Rückgänge nicht mehr kompensieren.

So berichtete bei der jüngsten IHK-Umfrage nur noch jedes dritte Unternehmen aus der Industrie von einer guten Geschäftslage. Vor einem Jahr war es noch jedes zweite. Umgekehrt wächst die Zahl der Pessimisten in der Exportbranche. Fast jeder vierte befragte Industriemanager in der Region rechnet inzwischen mit einer ungünstigeren Geschäftslage. Im Sommer 2011 war es lediglich jeder zehnte. So träft die Industrie einen großen Teil dazu bei, dass der IHK-Konjunkturindikator im Raum Hannover um acht auf 111 Punkte gefallen ist.

Auch die Einzelhändler spüren die Euro-Krise - in Form gedämpfter Kauflust ihrer Kunden. Die Branche hat in der Region viele einträchtige Quartale hinter sich, doch inzwischen berichten nur noch 16 Prozent der Händler von einer guten Geschäftslage. Der Anteil war vor einem Jahr fast doppelt so hoch. Auch bei den Verbrauchern präge derzeit Vorsicht die Grundhaltung, „denn eine nachhaltige Lösung der Euro-Krise ist nicht in Sicht“, meint Horst Schrage.

Die Finanzkraft der Unternehmen insgesamt hat sich nur minimal verschlechtert. Im Kern seien die Firmen der Region wirtschaftlich gesund und stabil, berichtet Bissel. Das zeigt sich auch im nur geringfügig veränderten Bonitätsindex. Die Bonität wird bei Creditreform nach einer Art Schulnotensystem vergeben, der aktuell ermittelte Durchschnittswert von 257,7 über alle mehr als 40.000 Betriebe der Region kann demnach als „noch gut“ umschrieben werden.

Ungebrochen ist der Trend zur Firmengründung in der Region. Mit 458 Neueintragungen ins Handelsregister liegt der Wert zwar deutlich niedriger als im ersten Quartal. Doch das ist saisonal bedingt. In einem zweiten Quartal sind seit dem Beginn der Erhebungen vor fünf Jahren noch nie so viele neue Unternehmen entstanden. „Die Firmen werden nicht aus Verzweiflung gegründet, wie noch vor Jahren bei den Ich-AGs, sondern aus Zuversicht, gebotene Chancen zu nutzen“, so Bissel.

Im Gegenzug zeigt der Langfristtrend bei den Pleiten nach unten. Die eingetrübten Aussichten in den Umfragen seien noch weit davon entfernt, die Existenz der Unternehmen zu gefährden, umschreibt es der Creditreform-Chef. „Die Region bleibt ein schlechtes Pflaster für Insolvenzverwalter - gut für die Arbeitnehmer.“

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