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Niedersachsen Ärger um Tarife in den Reisebüros
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ärger um Tarife in den Reisebüros
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07:42 27.02.2012
Von Jens Heitmann
TUI droht ein Arbeitskampf. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Arbeitgeberseite hat den Flächentarifvertrag für die Touristik zum 30. September 2010 gekündigt, seither sind die Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di ohne Ergebnis geblieben. „Der Frust sitzt tief“, sagt TUI-Konzernbetriebsratschef Frank Jakobi. Im Unternehmen gelte offenbar der Grundsatz:  „Je näher am Kunden, desto mieser die Bezahlung.“

Besonders erbost die 2500 Beschäftigten von TUI Leisure Travel, der Muttergesellschaft der Reisebüromarken des Konzerns, dass sie als Einzige im Unternehmen darben sollen. Alle anderen – von der Fluggesellschaft TUIfly über die Dienstleistertöchter TVG und TDG bis hin zum Veranstalter TUI Deutschland – kassieren inzwischen Zuschläge. Besonders Letzteres sorgt für Verdruss, denn im Unterschied zu den übrigen Konzerngesellschaften unterliegt der Veranstalter wie die Reisebüros dem Flächentarifvertrag.

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Seit April 2011 bekommen die Kollegen von TUI Deutschland einen Gehaltszuschlag von 2,2 Prozent – mit dieser „freiwilligen Leistung“ ist die Geschäftsführung der Empfehlung ihrer Arbeitgebervereinigung gefolgt, der DRV-Tarifgemeinschaft. Ihr gehören rund 100 Mitglieder mit rund 17.000 Beschäftigten an; die Tarifverträge finden aber fast in der gesamten Branche mit ihren 63.000 Mitarbeitern Anwendung.

Der Knackpunkt in den Verhandlungen ist die Bezahlung der Reisebüromitarbeiter. Die Arbeitgeber dringen darauf, die Lohnhöhe der Mitarbeiter an den (persönlichen) Umsatz zu koppeln. Sie reagieren damit auf die Konkurrenz im Internet und anderer Vertriebskanäle – beispielsweise die Direktangebote der Discounter. Etwa ein Zehntel des Gehalts solle variabel gestaltet werden, heißt es bei der Gewerkschaft ver.di. Zudem solle die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich angehoben werden. „Das machen wir aber nicht mit“, sagt Verhandlungsführerin Ute Kittel.

Ein Schlichtungsversuch scheiterte vor zehn Monaten, seither gibt es nur noch lose Gespräche – ein Ergebnis sei nicht absehbar, hieß es von beiden Seiten. Auf Arbeitgeberseite hofft man nun auf die wachsende Unzufriedenheit der Reisebüromitarbeiter über die andauernde Nullrunde. „Der Druck kann nur über den Vertrieb kommen“, sagt DRV-Verhandlungsführer Volker Fasbender.

Um diesen zu erhöhen, gewähren die TUI, Thomas Cook und Rewe nur den Mitarbeitern bei den Veranstaltern seit April 2011 den „freiwilligen“ Lohnzuschlag von 2,2 Prozent. Die Beschäftigten der TUI-Reisebüros hätten nur mehr Geld bekommen, wenn sie ihren Umsatz um 8 Prozent gesteigert hätten. Leider sei das nicht gelungen, heißt es vonseiten der TUI-Geschäftsführung. Entsprechend sauer seien die Mitarbeiter, sagt Betriebsratschef Jakobi. „Der Druck steigt massiv.“

Doch offenbar nicht unbedingt mit dem von Arbeitgeberseite erhofften Ergebnis – auf Gewerkschaftsseite denkt man inzwischen über Konzern- oder Haustarifverträge nach. „Dann gehen wir eben in den Häuserkampf“, sagt ein Beteiligter.

Noch allerdings kämpft jeder für sich allein – die Solidarität zwischen Veranstalter und Vertrieb sei traditionell schwach, heißt es. Das könne sich aber ändern, sagt der Vize-Betriebsratschef von TUI Deutschland, Michael Pönipp: „Wenn uns keiner mehr vertreibt, können wir noch so gute Reiseangebote entwickeln – das hilft dann wenig.“ Dieser Gedanke scheint im Vertrieb bereits angekommen zu sein. „Man habe schon mal über einen TUI-freien Tag in der Woche nachgedacht“, heißt es in einem hannoverschen Reisebüro.

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