Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Ärzte fordern neues Honorarsystem
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ärzte fordern neues Honorarsystem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:44 20.12.2009
Von Jens Heitmann
Niedersachsens Ärzte fordern ein neues Honorarsystem.
Niedersachsens Ärzte fordern ein neues Honorarsystem. Quelle: ddp
Anzeige

Für die rund 13 600 Mediziner und Therapeuten stünden insgesamt knapp 3 Milliarden Euro zur Verfügung. „Gleichwohl haben wir noch nie eine so gute Honorarsituation gehabt wie jetzt“, sagte KVN-Chef Eberhard Gramsch in Hannover.

Niedersachsen ist einer der Hauptprofiteure der zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Honorarreform. Die Große Koalition hatte den Ärzten auf Bundesebene 2,5 Milliarden Euro zusätzlich zugestanden – für die Mediziner zwischen Ems und Elbe bedeutete das einen Zuschlag von durchschnittlich 19 Prozent. Selbst wenn das Honorar nun etwas sinke, liege es immer noch deutlich über dem Niveau von 2008, erklärte Gramsch.

Dennoch ist unter den Ärzten die Verunsicherung groß, weil im kommenden Jahr das sogenannte Regelleistungsvolumen vieler Praxen zum Teil deutlich sinken soll – also jene Grundvergütung, die im Wesentlichen aus der Zahl der Behandlungen und der Honorierung des Vorjahresquartals errechnet wird. Den Hausärzten droht hier ein Abschlag von knapp 14 Prozent, bei Fachärzten sind es minus 17 Prozent.

Doch die Regelleistungen machen nur einen Teil der Gesamtvergütung einer Praxis aus. Durchschnittlich ein Zehntel der Einnahmen stammt von Privatpatienten, ein weiteres Drittel des Umsatzes kommt direkt von den Krankenkassen, etwa für Vorsorgeuntersuchungen oder Impfaktionen. Darüber hinaus gibt es Leistungen, die keinem Budget unterliegen wie ambulante Operationen oder Spiegelungen der Bronchien.

In diesem Bereich seien die abgerechneten Leistungen teilweise explodiert, berichtete der Hartmannbund: Seit zum Beispiel Akupunkturen zum Leistungskatalog gehören, gebe es hier Steigerungsraten von bis zu 200 Prozent. „Wenn das System es zulässt, das abzurechnen, ist es auch legitim, das zu tun“, sagte der Vorsitzende des niedersächsischen Hausarztverbandes, Heinz Jarmatz.

Da die von den Krankenkassen überwiesene Honorarsumme 2010 leicht sinkt, geht die Honorierung dieser Leistungen nach Angaben der KVN aber zu Lasten der Grundvergütung. „Diese Schere wird sich immer weiter öffnen“, erklärte Vorstandschef Gramsch. Unter den Ärzten gibt es folglich Gewinner und Verlierer: Wer zum Beispiel viel ambulant operiert, profitiert – wer diese Möglichkeit nicht hat, muss Einbußen hinnehmen. „Wir müssen diesen Webfehler des Honorarsystems korrigieren“, sagte Gramsch. Dieser Forderung hat sich bereits die Vertreterversammlung – das Ärzteparlament – angeschlossen.

Der Hartmannbund hingegen plädiert für Zurückhaltung. Wenn sich Auswüchse bei einzelnen Abrechnungsarten nachweisen ließen, müsse man sicherlich eingreifen, sagte der Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes, Bernd Lücke: „Noch aber ist die Datenlage zu unsicher.“ Schon aus zeitlichen Gründen seien die Ärzte nicht in der Lage, ihre Leistungsmenge beliebig zu steigern.

Stefan Winter 18.12.2009
Jens Heitmann 18.12.2009