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Niedersachsen Die Lücke hinter dem A380 ist gut gefüllt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Die Lücke hinter dem A380 ist gut gefüllt
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00:20 17.02.2019
Blick in das Cockpit eines Airbus A380 der British Airways. Quelle: dpa
Toulouse/Hannover

Das Ende passt zum Spitznamen: Als „Major Tom“ seine letzte Pressekonferenz als Airbus-Chef zu lange hinauszögert, dröhnt plötzlich die Fanfare von „The Final Countdown“ aus den Lautsprechern – und schneidet Thomas Enders das Wort ab. Das alles wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Für die Zukunft von Airbus werden gleich zwei Schwergewichte keine Rolle mehr spielen: Der langjährige Konzernchef tritt in ein paar Wochen ab – für den Großraumjet A380 ist in drei Jahren Schluss.

Das Aus für das Prestigemodell kommt nicht mehr überraschend, Airbus hat die Produktion über die Jahre kontinuierlich zurückgefahren und die milliardenschwere Fehlinvestition in der Bilanz längst verdaut. Für 2018 konnte Enders am Donnerstag trotz dieser enttäuschenden Entwicklung und der Probleme beim Militärtransporter A400M einen stattlichen Gewinn verkünden: Rund 3 Milliarden Euro hat der Konzern unter dem Strich verdient – ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz legte um 8 Prozent auf knapp 64 Milliarden Euro zu. Der Aktienkurs nähert sich dem Allzeithoch.

Aber auch dieses Rekordergebnis hatte sich – wie das Ende für den A380 – bereits abgezeichnet, weil andere Modelle die entstehende Lücke locker füllen. Im vergangenen Jahr hat Airbus zwar ein halbes Dutzend Flugzeuge weniger ausgeliefert als der Konkurrent Boeing, aber die Auftragsbücher beider Rivalen sind für die nächsten Jahre auskömmlich bestückt. Bei Airbus sind vor allem Maschinen aus der sogenannten A320-Familie gefragt, die auf Kurz- und Mittelstrecken im Einsatz sind, sowie der Langstreckenjet A350 – dessen Erfolg den Absturz des A380 noch beschleunigt hat.

Die Produktion des A320 werde der Konzern bis 2021 auf 63 Maschinen pro Monat ausweiten, kündigte der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Guillaume Faury, gestern an. Im laufenden Jahr soll die Fertigungsrate auf 60 Stück pro Monat steigen. Man habe sogar eine Ausweitung auf 70 Maschinen erwogen, sagte Faury. Aus Sorge um Engpässe in der Lieferkette sei es aber klug gewesen, die eigenen Ambitionen zu drosseln. Zuletzt hatten die Hersteller der Triebwerke Probleme, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Vom Erfolg überrascht

Die Produktion des A350 hatte Airbus 2006 eher widerwillig gestartet, weil Boeing dabei war, mit seiner 787 einen zweistrahligen „Dreamliner“ für die Fernstrecke auf den Markt zu bringen – und der überwiegende Teil der Kundschaft den A380 schon damals eher skeptisch beäugte. Der Erfolg der neu entwickelten Maschine hat den Konzern am Ende selbst überrascht: Der A350 ist so effizient, dass er Fluggesellschaften in die Lage versetzt, selbst Verbindungen abseits der internationalen Rennstrecken profitabel zu bedienen.

Das Orderbuch von Airbus umfasst aktuell 7577 Maschinen – 80 Prozent davon entfallen auf die A320-Familie und 9 Prozent auf den A350. In diesem Jahr will der Konzern bis zu 890 Flugzeuge ausliefern und den operativen Gewinn um 15  Prozent steigern.

Von Jens Heitmann

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