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Niedersachsen Aktionäre attackieren Nordzucker
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Aktionäre attackieren Nordzucker
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07:18 16.06.2017
Von Jens Heitmann
Nordzucker-Werk bei Wolfenbüttel: „Auskünfte des Vorstandes nicht zur Klärung der Vorgänge geeignet.“ Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Die hohen Schadensersatzforderungen gegen Mitglieder des Zuckerkartells machen die Aktionäre der Unternehmen nervös. Anteilseigner der Braunschweiger Nordzucker AG haben jetzt zur Hauptversammlung Anfang Juli die Bestellung eines Sonderprüfers beantragt, der die Höhe möglicher Schadensersatzansprüche untersuchen soll. „Die Auskünfte des derzeitigen Vorstandes (...) waren unzureichend und nicht zur Klärung der Vorgänge geeignet“, heißt es in dem Schreiben, das der HAZ vorliegt.

Das Bundeskartellamt hat 2014 gegen Südzucker, Pfeifer & Langen sowie Nordzucker Geldbußen von insgesamt 280 Millionen Euro verhängt. Die Zuckerhersteller hätten sich viele Jahre lang abgesprochen und darauf geeinigt, „sich beim Vertrieb von Zucker in Deutschland im Wesentlichen auf ihr angestammtes Gebiet zu beschränken und den anderen Kartellbeteiligten nicht in die Quere zu kommen“, erklärte Behördenchef Andreas Mundt seinerzeit.

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Prozesslawine rollt

Die Kartellstrafe hat eine Prozess­lawine ausgelöst. Dem Vernehmen nach klagen mittlerweile mehr als 35 Abnehmer des Zuckerkartells auf Schadensersatz - bundesweit soll sich die geltend gemachte Summe auf mehr als 500 Millionen Euro belaufen. Gegenüber dem Kartellamt haben Industriekunden von erheblichen Preissteigerungen und zeitweisen Versorgungsengpässen berichtet.

Die Hersteller bezweifeln hingegen grundsätzlich, dass es ohne Gebietsabsprachen niedrigere Preise gegeben hätte: Weil Transportkosten bei Zucker eine große Rolle spielten, gebe es zwangsläufig eine Aufteilung der Gebiete, heißt es. Gutachten würden diese Einschätzung bestätigen. Wie hoch sie das Schadensersatzrisiko einstufen, verraten die Unternehmen nicht. „Wir haben in angemessener Weise Vorsorge getroffen“, sagt ein Nordzucker-Sprecher lediglich.

Damit wollen sich die Aktionäre nicht länger zufriedengeben. Deshalb soll nun ein Sonderprüfer herausfinden, ob und in welcher Höhe dem Unternehmen „durch die geahndeten Preisabsprachen und infolgedessen an Kunden geleisteten Schadensersatz sowie Preisnachlässe ein Vermögensschaden entstanden ist oder voraussichtlich entstehend wird“, wie es in dem Antrag heißt.

Darüber hinaus wollen die Anteilseigner wissen, ob Vorstand und Aufsichtsrat gegen die für die Kartellabsprachen verantwortlichen Manager Schadensersatzansprüche geltend gemacht haben. Zudem verlangen sie Auskunft darüber, ob Nordzucker die Einhaltung von Gesetzesvorschriften und Richtlinien inzwischen angemessen kontrolliert - Konkurrent Südzucker hat diese sogenannte Compliance laut Geschäftsbericht zuletzt „weiter intensiviert“.

Nordzucker will sich zu dem Antrag der Aktionäre nicht äußern. Ob man die Tagesordnung der Hauptversammlung entsprechend ergänze, werde derzeit juristisch geprüft, teilt das Unternehmen mit.