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Niedersachsen „Alte Kekse und keine Dividende"
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Alte Kekse und keine Dividende"
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08:13 16.02.2012
Von Jens Heitmann
TUI-Aufsichtsratschef Klaus Mangold macht sich für eine Dividendenzahlung stark. Quelle: dpa
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Hannover

Die TUI rechnet infolge des Teilausstiegs bei der Reederei bis zum Sommer mit Einnahmen von 700 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren sind die TUI-Anleger immer leer ausgegangen. „Bei uns herrscht eine große Unzufriedenheit“, sagte Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Mittwoch in Hannover.

Für den Fahrplan zum endgültigen Abschied aus der Schifffahrt zollten die Aktionärsvertreter dem TUI-Vorstand hingegen ausdrücklich Respekt. „Das ist das erste Mal, dass es der TUI gelingt, vor einer Hauptversammlung gute Nachrichten zu platzieren“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Teilverkauf von Hapag-Lloyd bedeute für den Konzern einen größeren Handlungsspielraum. „Wir erkennen diese Fortschritte an“, erklärte SdK-Vertreter Martius.

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Mit dem Lob verbanden die Aktionäre die Forderung nach einer Beteiligung am Konzerngewinn. Die TUI hat seit 2007 keine Dividende mehr ausgeschüttet – der Aktienkurs war in dieser Zeit von mehr als 20 Euro auf zwischenzeitlich rund 3 Euro abgestürzt. Erst seit Anfang Dezember geht es wieder bergauf, gestern kletterte der Kurs zwischenzeitlich auf 6,50 Euro. „Alte Kekse  und keine Dividende, das geht nicht“, schimpfte ein Aktionär und hielt ein brüchiges Gebäckstück hoch, das im Foyer verteilt worden war, Aufschrift: „Merry Christmas – TUIfly.com“.

Nach Meinung vieler Anleger wirft insbesondere das Kerngeschäft Touristik zu wenig Ertrag ab. Wenn bei einem Umsatz von rund 17 Milliarden Euro unter dem Strich ein Ertrag von lediglich 118 Millionen Euro stehe wie im Geschäftsjahr 2010/11 (31. Oktober), sei das „wenig berauschend“, erklärte DSW-Geschäftsführer Hechtfischer. Er plädierte für eine angemessene Beteiligung der Anleger am Konzerngewinn: „Das Geld ist beim Aktionär eindeutig besser aufgehoben als in der AG – der ist in der Lage, eine höhere Rendite zu erwirtschaften.“

Die Kritik stieß beim TUI-Management auf offene Ohren. „Unsere Ergebnisse müssen so sein, dass wir wieder dividendenfähig werden“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Mangold. Vorstandschef Michael Frenzel äußerte sich ähnlich: Angesichts der hohen „Unsicherheiten über die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte“ habe man zuletzt der Sicherung der Liquidität des Konzerns Vorrang eingeräumt. „Wir wollen einen schuldenfreien Konzern, der strukturell die Ertragskraft erlangt, nachhaltig Dividenden auszuschütten“, sagte Frenzel. „Dies wollen wir zeitnah erreichen.“ Nach seiner Einschätzung bringt der Hapag-Teilverkauf die TUI hier entscheidend voran: „Wir sind beinahe am Ende eines langen Weges.“

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