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Niedersachsen Deshalb fallen beim Conti-Umbau vor allem Jobs in Süddeutschland weg
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Analyse des Continental-Sparprogramms: Deshalb fallen beim Conti-Umbau vor allem Jobs in Süddeutschland weg

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21:07 25.09.2019
Conti-Chef Elmar Degenhart will den Konzern umbauen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Mit seinem Umbauprogramm „Strategie 2030“ verfolgt Continental zwei Ziele: Zum einen will der Konzern die Werke auf Effizienz trimmen – zum anderen will man die Produktion neu ausrichten. „Wir sehen im fundamentalen Technologieumbruch in unseren Industrien vor allem eine beträchtliche Wachstumschance“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Mittwoch. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts gehe es um nicht weniger als die Zukunftssicherung des Unternehmens.

Im Fokus der geplanten Veränderungen steht die Automotive Group. Diese Sparte steht derzeit doppelt unter Druck: Zum einen brechen die Aufträge weg, weil die Autokonjunktur lahmt und insbesondere die Nachfrage nach Verbrennermotoren nachlässt. Zum anderen steht der Geschäftsbereich im Mittelpunkt des angekündigten Konzernumbaus. Conti wandelt sich zu einer Holding mit drei Säulen – der Rubber-Gruppe (Reifen- und Industriegeschäft), der Automotive-Sparte und dem Antriebstechnikspezialisten Powertrain.

Automotive-Sparte im Fokus

Während die Reifensparte von der Neuorganisation weniger betroffen ist, sortieren sich die Automotive-Divisionen neu: Neben den Bereich „Chassis & Safety“ mit Bremsen und Federungen treten das Geschäft mit der Vernetzung von Autos sowie das automatisierte Fahren. Die Antriebsspezialisten von Powertrain wiederum sollen als selbstständige Einheit unter dem neuen Namen Vites­co Technologies an die Börse gehen oder im Rahmen eines Spin-offs verselbstständigt werden. Die Conti-Aktionäre bekämen in diesem Fall Vitesco-Aktien ins Depot gebucht.

Die Automotive-Gruppe kommt immer noch recht heterogen daher – die Erklärung dafür findet sich in ihrer Vergangenheit. Um die Abhängigkeit vom Reifengeschäft zu verringern, ist Conti durch Zukäufe im klassischen Zulieferergeschäft gewachsen: Vor 20 Jahren wurde der Bremsenhersteller Teves übernommen, später folgten der Elektronikspezialist Temic und Siemens VDO. Inzwischen hat die Sparte, die sich in Zukunft viel mit der Vernetzung des Autos und dem autonomen Fahren beschäftigen wird, mit rund 140.000 Mitarbeitern den Reifen-Bereich mit knapp 103.000 Beschäftigten überholt.

Stellenabbau konzentriert sich auf Süddeutschland

Von den weltweit sechs Standorten, denen die Schließung droht, gehören fünf zur Automotive-Gruppe – zwei Werke stehen in Deutschland. In Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz sind die 1230 Beschäftigten auf Einspritzsysteme für Dieselmotoren spezialisiert, im bayerischen Roding stellen 650 Mitarbeiter Kraftstoffhochdruckpumpen her. Von der bis 2028 geplanten Einstellung der Produktion in Limbach seien 860 Jobs betroffen, teilte Conti mit. Für 370 weitere Mitarbeiter seien andere Arbeitsplätze vorgesehen. In Roding soll die Herstellung der Pumpen 2024 auslaufen – das treffe 320 Mitarbeiter. Für weitere 220 Kollegen werde es eine neuartige Beschäftigung geben.

Aber auch größere Standorte stehen offenbar vor massiven Veränderungen. Das frühere Hauptwerk von VDO in Babenhausen in der Nähe von Aschaffenburg solle sich „schrittweise aus der Serienproduktion zurückziehen“, teilte Conti mit. Der Standort ist auf die Herstellung von Displays und Navigationsgeräten für Autocockpits spezialisiert. Zudem sei geplant, bestimmte Forschungs- und Entwicklungsaufgaben auf andere Standorte zu verlagern, hieß es. Von diesen Maßnahmen seien mehr als 2200 Arbeitsplätze betroffen. Wie viele davon wegfallen könnten, blieb offen. Die Pläne für Babenhausen könnten sich auch negativ auf das benachbarte Werk in Karben auswirken, in dem etwa 1000 Mitarbeiter als eine Art interne Zulieferer beschäftigt seien, hieß es in Betriebsratskreisen.

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Sechs Conti-Standorte vor dem Aus – 3000 Jobs weg

Von Jens Heitmann

Der hannoversche Autozulieferer Continental plant einen drastischen Konzernumbau. Die jährlichen Kosten sollen um 500 Millionen Euro sinken – in einem ersten Schritt werden wohl 3000 Jobs wegfallen. Insgesamt seien 20.000 Stellen „von Veränderungen betroffen“, so das Unternehmen. „Wir gehen die Krise in der Autoindustrie offensiv an“, sagt Conti-Chef Elmar Degenhart.

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