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Niedersachsen Angst vor der Windkraft
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07:57 19.05.2015
Viele Menschen in Niedersachsen sorgen sich vor Infraschall – Schwingungen unter 20 Hertz, die von den Rotoren der Wndräder erzeugt werden.  Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Ein Schwerpunktthema in den Bittschriften ist die Sorge vieler Menschen vor Schädigung durch sogenannten Infraschall. Das sind Schwingungen unter 20 Hertz, die von den Rotoren erzeugt werden.

„Die Menschen machen sich Gedanken und haben Sorgen“, sagte Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU), der die Eingaben im Ausschuss zusammenfasste. Neben Sorgen um den Wertverlust von Immobilien, Forderungen nach Mindestabständen und Höchstgrenzen spiele in zwei Drittel der Zuschriften Infraschall eine Rolle, sagte der CDU-Abgeordnete.

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Die Sorge sei aber unbegründet, sagte Berthold Vogelsang, Experte des Umweltministeriums. „Wir können eine Gesundheitsschädigung ausschließen“, so der Diplom-Physiker. Infraschall könne nicht gehört werden und sei außerdem etwas Alltägliches. Er würde von Wind und Bäumen ebenso erzeugt wie vom Straßenverkehr. Ab einer Entfernung von 700 Metern zum Windrad sei auch nicht mehr feststellbar, ob das Windrad die Quelle der Niedrigschwingungen sei, weil es eine Vermischung mit dem Grundrauschen anderer Lärmquellen gebe. Da könne man keinen Nachweis einer Gesundheitsschädigung führen, so Vogelsang. Nun werde erforscht, ob Infraschall eine Belästigung sein könne. Dazu laufe derzeit eine Studie des Umweltbundesamts.

Das sieht Thomas Stiller anders. Der Arzt aus Uslar, der sich bei den „Ärzten für Immissionsschutz“ engagiert, hatte vor einiger Zeit ebenfalls im Ausschuss seine Position erläutert. Die Gesundheitsgefahr „ist in Einzelfällen erwiesen“, sagte der Mediziner am Montag der HAZ. Man dürfe nicht den Fehler machen, zu sagen, dass etwas, was nicht wahrgenommen werden kann, auch keine Wirkung auf den Körper habe. Diesen Fehlschluss habe es auch bei der Radioaktivität oder bei Asbest gegeben, und so sieht Stiller es auch beim Infraschall: „Das ist eine Gefahr, der wir begegnen müssen, und zwar proaktiv.“ Die niedrigen Schwingungen würden im Schlaf auf die Hirnströme einwirken und könnten Kopfschmerzen, Depressionen oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Er forderte ein Windkraft-Moratorium.

Das wiederum lehnte Vogelsang vehement ab. Eine Technologie zu stoppen, ohne dass es einen begründeten Anfangsverdacht auf eine Gefahr gebe, sei „unwissenschaftlich“.

Alle Fraktionen stimmten dafür, das Thema genauer zu beobachten. „Das muss wissenschaftlich aufgearbeitet werden“, sagte Volker Bajus (Grüne).

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