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Niedersachsen Auf der Agritechnica brummt es
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Auf der Agritechnica brummt es
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00:15 16.11.2013
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Durchkommen kaum möglich: Die Agritechnica erweist sich als Publikumsmagnet.
Durchkommen kaum möglich: Die Agritechnica erweist sich als Publikumsmagnet. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Schon über 200 000 Besucher sind nach zwei Exklusivtagen und den ersten beiden starken Besuchertagen auf die weltgrößte Messe für Landtechnik geströmt, wie die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) als Veranstalterin am Mittwoch berichtete. Das waren über 15 000 oder 7 Prozent mehr als bei der vorigen Agritechnica. 2011 hatte die inzwischen größte Messe in Hannover die Rekordzahl von knapp 420 000 Besuchern erreicht.

Seit Mittwoch gilt es nicht mehr als unwahrscheinlich, dass dieses Ergebnis deutlich übertroffen wird. Optimisten unter den rund 2900 Ausstellern aus 47 Ländern sprechen angesichts der Menschenmassen in den Hallen sogar von bis zu 500 000 Besuchern bis zum Schluss der Messe am kommenden Sonnabend. Rund 200 Aussteller mehr – das allein bedeute schon mehr Besucher, weil jede zusätzliche Firma auf der Agritechnica neue Besucher mitziehe, sagte der Chef eines großen Landtechnikherstellers.

Und die reisen immer häufiger aus dem Ausland an. Das zeigt eine Besucherumfrage der DLG. Danach kommt mehr als ein Viertel der Besucher aus dem Ausland, 2011 waren es noch erheblich weniger als 25 Prozent. Groß sei der Zuspruch von Landwirten und Agrarexperten aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus Nord- und Südamerika. Ein deutliches Besucherplus registrierte die DLG aus afrikanischen Ländern, die bei der landwirtschaftlichen Infrastruktur enormen Nachholbedarf hätten.

Schwere Maschinen und ein großer Andrang: Die Agritechnica 2013 auf dem Messegelände in Hannover.

Wie es das Gedränge in den Hallen, die komplett ausgebucht sind, bereits vermuten lässt, sind die Aussteller in Hochstimmung. Manche überschlagen sich geradezu in ihrem Lob für die Messe – und erleben das Gewimmel mit entsprechend einhergehender Lautstärke als positiven Stress.

Wie die Messecrew der Grimme Landmaschinenfabrik aus Damme in Halle 25, an deren Stand es wie im Taubenschlag zugeht. „Alles top“ – diese zwei Worte von Marketingchef Jürgen Feld genügen, um die Zufriedenheit des Familienunternehmens, das mit seinen feuerroten Kartoffelrodern Nummer eins der Welt ist, auszudrücken. Dabei war man skeptisch, weil Grimme wegen des neuen Hallenkonzepts der DLG den angestammten Platz in Halle 2 verlassen musste.

„Jetzt sind wir sogar froh, hier zu sein“, erklärte Feld. Anders als viele Landtechnikhersteller hat Grimme besondere Kunden und Besucher, die das Unternehmen „gezielt aufsuchen“: Kartoffelanbauer. Das sind alles Spezialisten, weil sie den größten Teil ihres Einkommens mit den Ackerknollen erzielen, wie der Marketingchef erklärte. „Die wissen genau, was sie wollen.“ Und das könne Grimme bieten.

Dank seiner Innovationsstärke. Gerade ist das Unternehmen mit einer der begehrten DLG-Goldmedaillen für sein pneumatisches Beimengungstrenngerät AirSep ausgezeichnet worden. Damit können während der Kartoffelernte Steine und Kluten aussortiert werden. Bisher gab es nur weniger leistungsfähige mechanische Systeme. Deshalb verspricht sich Grimme einen Schub fürs Geschäft – nach der Messe. Hier gehe es um Kontakte und Anbahnung von Geschäften, so Feld.

Da die Technik immer komplexer werde, finde das Beratungsgespräch zu Hause bei Grimme statt. Deshalb hofft man auf ein gutes Nachmessegeschäft, das die Auftragsbücher im nächsten Jahr füllen hilft. 2013 ist der Umsatz von 261 auf das Rekordniveau von 300 Millionen Euro gestiegen. 85 Prozent davon erzielt Grimme im Ausland. Die Gruppe einschließlich der erstmals einbezogenen dänischen Tochter AsaLift kommt mit 2000 Beschäftigten auf 400 Millionen Umsatz.

Großer Andrang herrscht auch am Stand eines weiteren Mittelständlers aus Niedersachsen, der Amazonen-Werke in Halle 14. Sie bauen Düngerstreuer, Feldspritzen sowie Maschinen für die Bodenbearbeitung und Saat. Auf der Agritechnica stellen sie die neue selbstfahrende Pflanzenschutzspritze Pantera vor, wie Christian Dreyer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens aus Hasbergen-Gaste, erklärt. Mit einem Volumen von 4800 Litern, verstellbarem Fahrwerk und einem Gestänge von 40 Metern Arbeitsbreite sei diese Maschine eher für Großbetriebe und Lohnunternehmer konzipiert.

Preise von 270 000 Euro aufwärts scheinen Besucher nicht abzuschrecken. Die Landwirte kämen mit konkreten Investitionsabsichten, lobt Dreyer die Qualität der Besucher. Es gebe auffällig viele konkrete Anfragen, vor allem von Besuchern aus Osteuropa, aber auch aus Australien und Korea. Deshalb blicke Amazone optimistisch auf das nächste Jahr. Für 2013 erwartet das Familienunternehmen mit 1800 Mitarbeitern einen Gruppenumsatz von 500 Millionen Euro, nach 460 Millionen 2012.

Rundum zufrieden zeigt sich der Landtechnikhersteller Krone aus Spelle in Halle 27, das sich mit 230 Vertriebsmitarbeitern aus 21 Ländern um die Besucher kümmert. Die Messe laufe super, schwärmt Marketingchef Heinrich Wingels. Die Agritechnica sei das „Tor zur landtechnischen Welt“. Auch das Familienunternehmen, das Maschinen für die Grünfutter-ernte herstellt, hofft auf gute Nachmessegeschäfte.

Dabei setzt Krone auf seine erstmals gezeigte Baureihe „kleiner“ Maishäcksler bis 580 PS. Obwohl Krone, bislang vor allem in der Klasse mit 1000 PS vertreten, damit später als der Wettbewerb startet, soll sich dadurch der Häcksler-Umsatz verdoppeln. 2013 hat die Landtechniksparte laut Wingels beim Ergebnis besser abgeschnitten als das Nutzfahrzeuggeschäft. Für beide zusammen wird ein Umsatz von etwa 1,5 Milliarden Euro erwartet.

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