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Niedersachsen Aus für Schiffbau schwächt Wirtschaftskraft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Aus für Schiffbau schwächt Wirtschaftskraft
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12:10 03.10.2009
Die Emder Nordseewerke Quelle: ddp (Archiv)
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Das Auslaufen des Schiffbaus habe nicht nur Folgen für die Werft-Mitarbeiter, sondern auch für zahlreiche Zulieferer sowie für die Emshäfen in Papenburg, Leer und Emden, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK für Ostfriesland und Papenburg, Jan Amelsbarg, in Emden. „Es ist ein schmerzlicher Rückschlag für die gesamte maritime Wirtschaft.“ Darüber hinaus drohe der Region auch der Verlust von Fachkräften.

Die ThyssenKrupp Marine Systems AG (TKMS) will die Nordseewerke an den Windkraftanlagenhersteller Siag Schaaf Industrie AG verkaufen. 721 der 1196 Beschäftigten sollen dort dann Offshore-Windräder bauen. Nur wenn dieses Konzept nicht aufgeht, will ThyssenKrupp nach einer am Freitagabend geschlossenen Vereinbarung in einem Jahr noch einmal über die Verteilung der Schiffbau-Aufträge beraten.

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Das dennoch absehbare Aus für den Handelsschiffbau auf der Werft bezeichnete Amelsbarg als Desaster. „Hier wird eine regionale Entwicklung durch diese Entscheidung ausgebremst. Das Wegbrechen der Werft bedingt einen Domino-Effekt.“ An den Nordseewerken hänge ein Vielzahl von Zuliefer-Betrieben. Allein von ihnen stammen nach Angaben des Experten 70 Prozent eines neu gebauten Schiffes. Mit dem Ende der Werft gingen den Zulieferern auf Dauer Aufträge mit einem Umfang von 50 Millionen Euro pro Jahr verloren, sagte Amelsbarg. Zugleich befürchtet die IHK, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Häfen in Papenburg, Leer und Emden leiden könnte. „Da wo Hafen-Umschlag auf hohem Niveau stattfindet, da muss im Falle eines Schadens beispielsweise ganz schnell und kompetent das ein oder andere wieder instand gesetzt werden“, betonte Amelsbarg. Bislang sei das in den Docks der Nordseewerke erfolgt. Nun müssten die Reedereien nach einer anderen Lösung suchen. „Technologisches Know-how wird zulasten einer ganzen Region über Bord geschmissen“, bedauerte Amelsbarg.

Nach Ansicht von Amelsbarg wird auf lange Sicht auch die Kaufkraft in der Region schwinden. Siag will etwa die Hälfte der Mitarbeiter übernehmen und 375 sollen bei TKMS bleiben. „Einige, vielleicht sogar viele, bekommen einen anderen Job, aber ob sie genauso viel verdienen - wohl eher nicht. Wiederum andere finden zunächst keinen anderen Job.“ Die Unsicherheit führe zu Kaufzurückhaltung, so dass auch der Einzelhandel und Dienstleister am Ende vom Aus der Werft betroffen seien.

lni

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