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Niedersachsen Knapp 2000 Jugendliche in Niedersachsen sind noch ohne Lehrstelle
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Ausbildungsmarkt: Knapp 2000 Jugendliche in Niedersachsen sind noch ohne Lehrstelle

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14:39 31.10.2019
Immer weniger Jugendliche wollen eine Ausbildung machen. Trotzdem haben Hauptschüler oft keine Chance, eine Lehrstelle zu finden, moniert der DGB. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Den niedersächsischen Betrieben gehen die Auszubildenden aus – wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Hannover mitteilte, konkurrieren die Unternehmen, die Ausbildungsstellen anbieten, um eine abnehmende Zahl von Bewerbern. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sinkt die Zahl der Schüler und damit auch die der Schulabgänger, zum anderen wollen diese lieber studieren als eine Ausbildung zu machen.

Bürokaufleute oder Automechaniker wollen viele werden

Ob ein Betrieb Nachwuchs findet oder nicht, liegt an der Branche. Während die beliebten Ausbildungsplätze in Verwaltungen, Büros oder im Sekretariat sowie im Handel und den technischen Berufen schnell vergeben sind, bleibt in anderen Bereichen jede zehnte Stelle unbesetzt – im Lebensmittelverkauf sind es 12,9 Prozent, in der Körperpflege 12,3 und in der Gastronomie 9,3 Prozent. Zu den begehrtesten Ausbildungsberufen zählen bei den jungen Männern Kfz-Mechatroniker, Kaufmann im Einzelhandel oder Kaufmann für Büromanagement, bei den Frauen kommen nach Kauffrau für Büromanagement die medizinische Fachangestellte und die Verkäuferin.

1973 Bewerber sind noch ohne Ausbildungsplatz

Insgesamt gab es in diesem Jahr 56.778 offene Lehrstellen – das sind 0,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Bewerber sank um 6,2 Prozent auf 54.543, jeder Elfte ist ein Flüchtling. Ende September hatten 1973 Jugendliche noch keinen Ausbildungsplatz, darunter knapp 700 mit einem Realschulabschluss und 450 mit Abitur oder Fachhochschulreife. Andererseits gibt es noch 2402 unbesetzte Stellen. 6400 Schulabgänger, die zunächst auch auf Lehrstellensuche waren, haben sich inzwischen anders entschieden, sie gehen entweder weiterhin zur Schule, jobben oder machen einen Freiwilligendienst.

Wenig Chancen für Hauptschüler oder Migranten

Die Zahl der Bewerber ohne Lehrstelle ist zwar gegenüber 2018 um gut ein Viertel gesunken, dennoch hätten vor allem Jugendliche mit Hauptschulabschluss, Migranten oder Schulabbrecher Probleme, eine Ausbildung zu finden, sagte Lars Niggemeyer vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Der Ausbildungsmarkt spaltet sich zunehmend“, hat er festgestellt, „während Bewerber mit guten Abschlüssen schnell einen Ausbildungsplatz finden, hat es ein anderer Teil schwer und findet trotz langer Suche nichts.“ Während das Angebot an Ausbildungsplätzen im Westen Niedersachsens gut sei, gebe es im Osten nur wenig Lehrstellen. Es sei Minderjährigen aber nicht zuzumuten, vom Harz ins Emsland umzuziehen.

„Nicht nur nach Notenlage einstellen“

Niggemeyer appellierte an die Unternehmer, nicht nur nach Notenlage zu entscheiden, sondern auch die Stärken von Jugendlichen zu nutzen, die vielleicht nicht erste Wahl seien. Ähnlich äußerte sich Bärbel Höltzen-Schuh, Leiterin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen bei der Arbeitsagentur. Man solle nicht nur auf Abiturienten setzen, sondern auch Realschülern eine Chance geben. Das sei auch im kommenden Jahr wichtig, wenn es wegen der Umstellung auf das Abitur nach neun Schuljahren (G9) statt bislang acht an fast allen Gymnasien keinen Abiturjahrgang gebe.

DGB fordert Ausbildungsplatzumlage

Der DGB fordert eine öffentliche Ausbildungsgarantie. Es könne nicht sein, dass Tausende Jugendliche im Land ohne berufliche Perspektive blieben. Wer den Einstieg in den Ausbildungsmarkt nicht schaffe, bleibe meist auch später ohne Job oder arbeite sein Leben lang im Niedriglohnsektor, sagte Niggemeyer. Außerdem müsse der Bund endlich eine Ausbildungsplatzumlage zur Unterstützung der ausbildenden Betriebe einführen. Denn nur die Hälfte der Firmen, die ausbilden könnten, machten es auch tatsächlich, die anderen Unternehmen würden aber davon profitieren.

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Von Saskia Döhner

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