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Niedersachsen Bosch zieht Fertigung aus Hildesheim ab
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bosch zieht Fertigung aus Hildesheim ab
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18:38 21.10.2013
Von Lars Ruzic
Der Autozulieferer Bosch will große Teile seiner Hildesheimer Starter-Produktion ins billigere Schwesterwerk nach Ungarn verlagern. Quelle: Philipp von Ditfurth (Archiv / Symbolfoto)
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Hildesheim

Der Autozulieferer Bosch will große Teile seiner Hildesheimer Starter-Produktion ins billigere Schwesterwerk nach Ungarn verlagern. In den kommenden Monaten sollen Fertigungsanlagen nach Miskolc im Osten des Landes transportiert werden. In Hildesheim verbliebe demnach im Kern nur noch die Produktion von Anlassern für VW-Modelle mit Start-Stopp-Motoren.

Man werde die Menge auf 1,1 Millionen Starter verringern, kündigten die Werkleiter Martin Kottmann und Martin Ziegler am Montag in Hildesheim an. Noch vor wenigen Jahren produzierte der Standort fast fünf Mal so viel. „Wir müssen in diesem angeschlagenen Bereich aufräumen, sonst macht es der Markt für uns“, sagte Kottmann.

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Damit verbunden ist der Abbau von fast jeder dritten Stelle in diesem Sektor des Traditionswerks. Bis 2018 wolle man die Zahl der Beschäftigten im Starter-Bereich um 400 reduzieren, kündigte Ziegler an. Dabei werde Bosch aber auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Rund die Hälfte der Zielzahl will der Konzern über Aufhebungsverträge, Vorruhestand und Fluktuation erreichen. Den Rest hoffe man, innerhalb des Werks auf andere Stellen vermitteln zu können. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über eine entsprechende Standortvereinbarung haben bereits begonnen. Bis zum Jahresende sollen sie abgeschlossen sein.

Die Zeit drängt offenbar. „Wir können nicht ewig verhandeln“, umschrieb es Ziegler. Die Bosch-Manager haben die Produktionserweiterungen für Miskolc schon fest eingeplant. Der Standort, der in diesem Jahr 6 Millionen Starter fertigt, soll möglichst schnell auf 8 Millionen gebracht werden. Hildesheim könne bei Startern mit Niedriglohnländern nicht mehr mithalten, begründete Kottmann den Schritt. Kein anderer Wettbewerber stelle dieses Produkt noch in Westeuropa her.

Eine Umstrukturierung nach der anderen

Starter sind in Jahrzehnten ausgereift, Hildesheim selbst fertigt sie bereits seit 1940. In diesem Jahr werden es noch 2,6 Millionen sein. Man produziere zu viele Varianten, was die Umrüst- und Personalkosten zusätzlich in die Höhe getrieben habe, berichtete Kottmann. Mit der Konzentration auf Starter für Start-Stopp-Motoren von VW senke man die Komplexität und damit die Kosten auf ein auskömmliches Niveau. Darüber hinaus werde sich der Standort im Starter-Bereich künftig auf Produktan- und -hochläufe konzentrieren.

Das Hildesheimer Bosch-Werk mit seinen insgesamt 3500 Mitarbeitern durchlebt seit Jahren eine Umstrukturierung nach der anderen. Wo einst mehr als 100 Millionen Autoradios gebaut wurden, sitzt heute noch die Entwicklungszentrale des Geschäftsbereichs Bosch Multimedia mit gut 1200 Mitarbeitern. Aus dem zweiten großen Standbein – den Startern – hat der Konzern in den vergangenen Jahren ein Leitwerk für alle großen Elektromotoren im Automobil gemacht. Wichtigster Wachstumsträger der vergangenen Jahre waren beispielsweise die Lenkmotoren. Hier wurde zuletzt sogar Produktion aus Mexiko in den Hildesheimer Wald zurückgeholt. Dies sei aber nur möglich gewesen, weil die Fertigung hochautomatisiert und der Lohnanteil an den Fertigungskosten vergleichsweise klein sei, sagen die Geschäftsführer.

Sie wollen in den Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite auch durchsetzen, dass die Zahl der Lehrlinge sinkt. „Wir bilden weit über Bedarf aus“, kritisierte Ziegler. Der Betriebsrat fordert im Gegenzug das Auslaufen von Lohnzugeständnissen aus der aktuell gültigen Standortvereinbarung. Die Verhandlungen umschrieb Ziegler als „mitunter robust und rustikal, aber konstruktiv“.

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