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Niedersachsen BASF baut in Hannover aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen BASF baut in Hannover aus
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08:30 07.02.2013
Von Lars Ruzic
Foto: BASf baut aus – auch in Hannover.
BASf baut aus – auch in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

„Wir wollen vom Markt nicht überrascht werden“, sagte der Chef von BASF Catalysts in Europa, Xavier Susterac, der HAZ. Es sei wichtig, die Kapazitäten schnell auszubauen, denn durch die sich verschärfende Abgas-Gesetzgebung in Europa werde die Nachfrage nach Katalysatoren in den kommenden Jahren kräftig steigen.

Für Lastwagen gilt bereits von diesem Jahr an die verschärfte Abgasnorm Euro VI, für Autos steht die nächste Senkung der Grenzwerte im Jahr 2015 an. Das werde dazu führen, dass die Fahrzeuge „mehr oder andere Katalysatoren“ brauchen werden, sagte Susterac. Deshalb bereitet dem gebürtigen Franzosen die aktuelle Krise auf dem europäischen Automarkt auch keine Sorgen. „Das Katalysatorgeschäft wird in den kommenden Jahren viel stärker wachsen als der Gesamtmarkt“, prophezeit der Europa-Chef.

BASF will deshalb mit dem Bau des neuen Standorts im polnischen Breslau die Kapazitäten bis 2016 verdoppeln. Die Fabrik mit dann 400 Beschäftigten soll das europäische Stammwerk in Nienburg ergänzen, das selbst gerade für rund 20 Millionen Euro modernisiert wird. Für Susterac sind diese Aussichten keineswegs utopisch. Schließlich kennt er die Pläne und Bedarfe der Autokonzerne sehr genau. Seine Forscher, Anwendungstechniker und Tester in Hannover arbeiten schließlich längst an den Abgasfiltern der nächsten Generation.

Seit Mittwoch können sie dabei noch enger zusammenarbeiten. BASF Catalysts hat ein ehemaliges Labor auf dem alten Gelände des Chemiekonzerns Solvay an der Seeligmannallee unweit des Pferdeturms erworben, innerhalb eines Jahres kernsaniert und zu einem Bürokomplex umgebaut. Das Gebäude steht direkt gegenüber der BASF-Testanlagen, wo die Katalysatoren rund um die Uhr auf hochautomatisierten Motorenprüfständen durchgecheckt werden. Eine halbe Million Liter Kraftstoff werden hier pro Jahr verbraucht, um die Technik auf Herz und Nieren zu prüfen.

Auch bislang waren Entwickler und Tester nicht weit voneinander entfernt. Die bisherige Europazentrale in der Freundallee sei aber zu klein geworden, sagte Susterac. Die Zentrale ist in den letzten Monaten um gut 20 auf 120 Mitarbeiter gewachsen. Zudem könne im neuen Bürokomplex, über dessen Kosten sich der Chemiker ausschweigt, besser in Teams gearbeitet werden. So könnten Forscher und Anwendungstechniker, die den kurzen Draht zum Autobauer haben, sich täglich schnell zusammenzusetzen, um über der Produktentwicklung zu brüten.
Dass Susterac für den Bau einer neuen Zentrale das „Ja“ aus Ludwigshafen bekommen hat, ist im vergleichsweise zentralistisch geführten BASF-Konzern keine Selbstverständlichkeit. Doch seine Argumente haben offenbar gefruchtet. „Hier gibt es eine lange Tradition, die Expertise, die Prüflabors und nicht weit weg die Produktion in Nienburg“, sagte der Europachef.

Dass ihm langfristig durch die Weiterentwicklung der abgasfreien Elektroautos das Geschäft ausgehen könnte, glaubt Susterac nicht. Bis 2020 würden höchstens 15 Prozent aller Autos elektrifiziert sein, prognostiziert er. Darunter wiederum seien zum weit überwiegenden Teil Fahrzeuge mit Hybridantrieb – also der Verbindung aus konventionellem und Elektromotor. Noch über Jahre gelten reine Elektroautos in der Branche als zu teuer – vor allem auf grund der kostspieligen Batterietechnik. Hybridautos allerdings müssen BASF kein Kopfzerbrechen bereiten: Sie brauchen ebenfalls alle Katalysatoren.