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Niedersachsen BMW schiebt sich vor Volkswagen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen BMW schiebt sich vor Volkswagen
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08:15 10.05.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Eine neue Studie zur Beliebtheit der deutschen Unternehmen zeigt, dass VW von Konkurrent BMW von der Spitze verdrängt wurde.
Eine neue Studie zur Beliebtheit der deutschen Unternehmen zeigt, dass VW von Konkurrent BMW von der Spitze verdrängt wurde. Quelle: dpa
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Hannover

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen „RepTrack“-Studie, deren Ergebnisse die beiden Direktoren des Reputation Institute, Markus Zeitzen und Klaus-Peter Wiedmann, gestern auf dem hannoverschen Messegelände vor mehr als hundert Mitgliedern von Industrie- und Marketing-Club erstmals der Öffentlichkeit vorstellten.

„Das Vertrauen in die Unternehmen als gesellschaftliche Institutionen hat im vergangenen Jahr weltweit gelitten“, berichtete Zeitzen. „Von der Nach-Krisen-Euphorie ist nichts mehr übriggeblieben.“ Das Reputation Institute ermittelt alljährlich das Ansehen von 200 Großkonzernen auf den wichtigsten Märkten weltweit. Dazu werden repräsentativ ausgewählte Konsumenten befragt – rund 2500 davon in Deutschland. Als wissenschaftlicher Direktor begleitet seit Jahren der hannoversche Marketing-Professor Wiedmann die Erhebungen. Die Verbraucher werden nach verschiedenen Kriterien befragt – etwa, wie sie die Produkte eines Unternehmens beurteilen, seine Rolle als Arbeitgeber oder die Qualität des Führungspersonals.

Nach den aktuellsten Ergebnissen kann unter den 30 Dax-Konzernen keiner mehr von sich behaupten, sein Ruf sei „exzellent“. Diese Bestnote vergibt das Institut nur, wenn ein Unternehmen mindestens 80 von 100 möglichen Punkten erreicht hat. Im Schnitt lägen die Dax-Werte heute bei 68 Punkten, 2,5 weniger als noch vor einem Jahr, berichtete Zeitzen. Volkswagen hat mit 6,8 Punkten besonders stark an Ansehen verloren.

Die Experten erklären das mit außergewöhnlich hohen Werten in den vergangenen Jahren, die etwa durch die Übernahmeschlacht mit Porsche zustande gekommen waren. Angegriffene hätten immer einen Sympathievorschuss, hieß es. Das sei auch darin abzulesen gewesen, dass VW bei emotionalen Aspekten deutlich bessere Werte erzielte als bei rationalen. Dieser „Heiligenschein“, wie es Zeitzen umschrieb, ist nach dem Ende der Schlacht nun wieder verblasst.

Im Gegenzug profitiere nun beispielsweise MAN von der Übernahme durch VW. „Das hat das Unternehmen beim Endverbraucher überhaupt erst etwas weiter in den Fokus rücken lassen.“ Interne Machtkämpfe dagegen schadeten den Unternehmen in den meisten Fällen. So erklären die Fachleute auch den Absturz des Handelsriesen Metro, der von Platz 13 auf 20 zurückfiel. Bei dem Düsseldorfer Konzern hatte es ein langes Hin und Her um die Vertragsverlängerung des damaligen Vorstandschefs Eckhard Cordes gegeben.

Mit besonders schwachen Reputationswerten fallen vor allem die Energieversorger und die Bankenwerte innerhalb des Dax auf. Die Energiewende und die Finanzkrise mit ihren Folgen ließen sich in diesen Beurteilungen ablesen, sagte Zeitzen. Der Finanzwirtschaft haben sich die Forscher zusätzlich in einer eigenen Erhebung gewidmet. In den Ergebnissen spiegelt sich wider, dass die Deutschen noch am ehesten den Sparkassen und Volksbanken vertrauen. Allerdings seien auch deren Werte seit Längerem auf Talfahrt. Insgesamt kommt kein Kreditinstitut mehr auf eine gute Bewertung.

Wiedmann hob hervor, dass es sich für Unternehmen lohne, in die eigene Reputation zu investieren. Sie müsse als strategischer Erfolgsfaktor und zentraler Unternehmenswert definiert werden. Gerade für börsennotierte Konzerne zahle sich ein hohes Ansehen aus. „Werte mit hoher Reputation erholen sich nach einem Kurseinbruch nachweislich wesentlich schneller als solche mit schlechten Werten“, so Zeitzen.

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