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Niedersachsen Bahlsen will keine Lebkuchen mehr backen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bahlsen will keine Lebkuchen mehr backen
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06:15 30.07.2012
Von Lars Ruzic
Kekshersteller Bahlsen will künftig kein Weihnachtsgebäck mehr backen. Quelle: von Ditfurth (Archiv)
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Hannover

Mehr als 30 Klassiker wie Contessa-Lebkuchen, Akora-Herzen oder Zimtsterne werden 2013 nicht mehr aus den Bahlsen-Werken in Barsinghausen, Varel und Berlin kommen. Ob sie ganz vom deutschen Markt verschwinden, stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin. Möglich sei, dass Bahlsen die Herstellung anderen überlässt, aber seine Marke auf die Produkte klebt.

Der Markt für Herbstgebäck wachse kaum und werde von Handelsmarken dominiert, teilte Bahlsen zur Begründung mit. „Dies führt zu einem starken Preisdruck und zu einer nicht zufriedenstellenden Ertragssituation.“ In Deutschland soll die Produktion daher nach dieser Weihnachtssaison beendet werden. In Österreich, wo Bahlsen Marktführer ist, will der Konzern das Segment weiterhin selbst bedienen. Noch unklar ist die Vorgehensweise in anderen Auslandsmärkten.

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Bahlsen hatte in Deutschland jahrelang sinkende Marktanteile im Saisongeschäft hinnehmen müssen. Unangefochtener Spitzenreiter ist der Aachener Printenspezialist Lambertz, der Saisonware sowohl unter eigenen Marken wie auch unter denen der Handelskonzerne verkauft. Für Bahlsen bedeutet der Rückzug einen Einschnitt: Weihnachtsgebäck stellen die Hannoveraner schon seit mindestens 75 Jahren her. Auf die Werke werde der Schritt keine Auswirkungen haben, so die Sprecherin. Bahlsen plane für 2013 mehrere Neuprodukte, die die fehlende Tonnage mehr als ausgleichen dürften.

Der Schritt ist Teil eines Strategieprogramms, das bis 2016 reicht und eine Fokussierung auf die Kernmarken des Konzerns ebenso vorsieht wie eine stärkere Expansion ins Ausland. Dort solle künftig die Marke Bahlsen im Mittelpunkt stehen, teilte der Konzern mit. Sie werde „Fundament für nachhaltiges internationales Wachstum sein“. Marketing und Vertrieb hätten es im Ausland leichter, wenn sie nur eine Marke voranbringen müssten.

Bahlsen hat die Auslandexpansion außerhalb einiger europäischer Kernmärkte, auf denen man schon seit Jahrzehnten vertreten ist, bislang eher stiefmütterlich behandelt. Nun sollten weitere Länder außerhalb Europas hinzukommen, sagte die Sprecherin, ohne sie beim Namen nennen zu wollen. Bahlsen habe drei „Fokusregionen“ ermittelt, in denen man mit eigenem Vertrieb und Marketing vor Ort sein wolle. Die Produkte sollen aber weiterhin aus den Stammwerken kommen.

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