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00:16 11.02.2017
Von Heiko Randermann
„Das kann existenzbedrohend sein“: Verbraucher wollen gerne Freilandeier, doch die Betriebe können diese derzeit nicht als solche vermarkten. Foto: dpa Quelle: imago stock&people
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Hannover

Produzenten von Freilandeiern in Niedersachsen befürchten durch die Geflügelgrippe hohe Einbußen. Weil die Eier nach zwölf Wochen Stallpflicht nur noch als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden dürfen, hofft der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) auf die Solidarität des Einzelhandels und der Verbraucher: Die Kunden sollen mit einem Aufkleber auf der Verpackung dazu gebracht werden, den gleichen Preis wie für Freilandeier zu bezahlen.

Die Frist ist vorbei

Im November vergangenen Jahres wurden in Niedersachsen die ersten Fälle der hochansteckenden Vogelgrippe H5N8 registriert. Daraufhin verhängten die meisten Landkreise eine strenge Stallpflicht, um eine Ausbreitung der Geflügelpest zu verhindern. Das betraf auch 3,5 Millionen der insgesamt 3,9 Millionen Freilandhennen in konventioneller Haltung in Niedersachsen. Dass die Eier trotzdem noch für weitere zwölf Wochen als Freilandeier vermarktet werden dürfen, ist durch eine EU-Norm geregelt.

Doch nun ist die Frist um, und die Eier müssen ab sofort als Bodenhaltungseier gestempelt werden. Der Preisunterschied betrifft im Schnitt 4 Cent pro Ei, doch das sei nicht das einzige Problem, warnt ZDG-Präsident Friedrich Otto Ripke. Weil nun ein Überangebot bei den Bodenhaltungseiern bestehe, drohe ein massiver Preisverfall. „Das kann für Betriebe existenzbedrohend sein“, so Ripke. Die Freilandeier machten ein Drittel der gesamten Eierproduktion in Niedersachsen aus.

Niedersachsen, der Bund, die Geflügelhalter und der Handel haben sich darauf geeinigt, einen Hinweis auf die Eierkartons zu kleben: Das Etikett soll die Verbraucher informieren, dass die Eier wegen der Geflügelpest derzeit nicht aus Freilandhaltung kommen, sondern in Bodenhaltung produziert werden. Der Preis soll aber derselbe wie für Freilandeier sein - um der Branche über diese Ausnahmesituation hinwegzuhelfen. „Das ist ein Beitrag für mehr Tierwohl bei den Legehennen“, sagt Ripke.

Empörung über Stuttgart

Für Unruhe sorgt allerdings Baden-Württemberg, das einen Sonderweg geht. In Stuttgart lief die landesweite Stallpflicht am 31. Januar aus, am 2. Februar wurden neue, allerdings regional bezogene Stallpflichten verhängt. Die betreffenden Hühner waren für einen Tag oder vielleicht auch gar nicht an der frischen Luft - doch die Eier dürfen jetzt weitere zwölf Wochen als Freilandeier vermarktet werden. Das sei rechtlich absolut sauber, verteidigt eine Sprecherin des baden-württembergischen Agrarministeriums die Maßnahme: Es habe geraume Zeit keine neuen Vogelgrippefälle mehr gegeben, „wir haben die Lage aufgrund einer neuen Risikobewertung deutlich gelockert“. Betroffen sind jetzt 800.000 Tiere in 1500 Betrieben.

In Norddeutschland war die Empörung über die baden-württembergische Praxis dennoch groß. Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) beschwerte sich in einem Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) über diese „Wettbewerbsverzerrung“. Auch Niedersachsen lehnt dieses Verfahren ab: „Wir treten für eine ehrliche Kennzeichnung ein“, sagte ein Sprecher von Agrarminister Christian Meyer (Grüne).

Nicht von dem Problem betroffen sind übrigens Bio-Eier: Zwar müssen Bio-Hühner Freilauf haben, doch sie verlieren durch die Stallpflicht nicht die begehrte 0 auf dem Stempel, da in der Bio-Verordnung keine entsprechenden Fristen festgelegt sind.

Auch in Norddeutschland werden Unternehmen vermehrt Opfer einer raffinierten Betrugsmasche. Innerhalb weniger Tage sei in Niedersachsen und Hamburg durch den sogenannten Geschäftsführertrick ein Schaden von mehr als 5 Millionen Euro entstanden, berichtet die Industrie- und Handelskammer Hannover.

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