Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Bau der Y-Trasse wird immer unwahrscheinlicher
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bau der Y-Trasse wird immer unwahrscheinlicher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 18.11.2009
Die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Hamburg, Bremen und Hannover steht auf dem Prüfstand. Quelle: ddp
Anzeige

Der Bund hat seine Beteiligung an der Finanzierung der Planungskosten jetzt auf Eis gelegt. Dadurch geraten die Planungen vorerst ins Stocken. Ursprünglich sollten insgesamt 55 Millionen Euro zwischen Bund, Land und Deutscher Bahn geteilt werden. Bund und Bahn sollten jeweils 20 Millionen Euro übernehmen, Niedersachsen 15 Millionen. Nach Angaben von Christian Budde, Sprecher im niedersächsischen Wirtschaftsministerium, sollte der Bundesanteil eigentlich zuerst fließen.

Das Ministerium zeigte sich enttäuscht: „Wir sind nach wie vor von der Notwendigkeit der Y-Trasse für den Hafenhinterland- und den Personenverkehr überzeugt“, sagte Budde. Minister Jörg Bode (FDP) werde ein entsprechendes Protestschreiben an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), richten, der selbst aus Cuxhaven stammt. Es könne nicht sein, dass das Land für die Kosten eintrete, die eigentlich der Bund übernehmen müsste, sagte Budde. Niedersachsen werde jedenfalls die zugesagten 15 Millionen Euro zahlen. Vor 2020 sei nun an eine Fertigstellung der Schnelltrasse nicht zu denken.

Anzeige

Bei der Bahn gab man sich am Dienstag zugeknöpft: Sprecher Egbert Meyer-Lovis wollte sich weder dazu äußern, ob die Bahn bei ihrer Finanzierungszusage bleibt, noch ob sie sich weiterhin für die Y-Trasse einsetzt. Nach Angaben von Sven Ulbrich, Sprecher im Bundesverkehrsministerium, bedeutet die Entscheidung aber nicht, dass sich der Bund komplett aus der Hauptfinanzierung zurückzieht.

Den Gegnern der Y-Trasse kommt der Rückzug des Bundes gerade recht. „Je weiter die Realisierung der Y-Trasse in die Ferne rückt, desto größer werden die Chancen für schnelle konkrete Maßnahmen, die sofort Entlastung für den Güterverkehr bringen“, sagte der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Michael Frömming.

Dazu gehörten neben dem Bau eines dritten Gleises zwischen Stelle und Lüneburg auch der Ausbau der eingleisigen Strecke zwischen Rotenburg/Wümme und Verden. „Die Y-Trasse kommt viel zu spät, ist zu teuer und umweltpolitisch eine Katastrophe“, betonte Dirk Eberle vom Umweltschutzverband Bothel/Brockel. Das drängende Problem seien die völlig überlasteten Güterverkehrsstrecken, sagte Jürgen Hambrock von der Bürgerinitiative gegen die Y-Trasse, und nicht ein paar Minuten weniger Reisezeit für ICE-Gäste.

Von Saskia Döhner