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Niedersachsen Bauern in Niedersachsen kommen glimpflich davon
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bauern in Niedersachsen kommen glimpflich davon
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20:42 24.08.2011
Von Carola Böse-Fischer
Entspannung nach getaner Arbeit: Niedersachsens Bauern haben die Getreideernte eingebracht. Quelle: dpa
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Hannover

Was dort geerntet wird, können die Landwirte meist nur noch als billigeres Futtergetreide verkaufen.

Insgesamt dürften Niedersachsens Bauern eine Ernte von 5,4 Millionen Tonnen eingefahren haben, wie Konrad Weiterer, Vorsitzender des privaten Agrargewerbes Niedersachsen (agw), in dem sich der Landhandel zusammengeschlossen hat, am Mittwoch berichtete. Das ist ein Minus von 7,4 Prozent im Vergleich zu 2010. Die letzte Ernteprognose Ende Juli von nur gut 5 Millionen Tonnen wurde jedoch deutlich übertroffen.

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Verglichen mit den guten Jahren 2008 und 2009, als 6,9 und 6,8 Millionen Getreide geerntet wurden, seien die Mengen unterdurchschnittlich, erklärte Weiterer. „Aber die Qualitäten sind gut bis sehr gut.“ Auf den Böden in den Börde-Regionen sei bei Weizen praktisch eine „Normalernte“ erzielt worden. Dagegen haben Betriebe auf leichten Böden und ohne Beregnung hohe Ertragseinbußen erlitten, wie der agw-Chef sagte, der auch Sprecher der Geschäftsführung des Landhandelsunternehmens Weiterer in Algermissen ist.

Um den Absatz müssen sich die niedersächsischen Landwirte keine Sorgen machen. Angesichts niedriger Bestände gebe es eine große Nachfrage der heimischen Mühlen nach Brotweizen, sagte Weiterer – zum Glück für Landhandel und Genossenschaften, die das Getreide von den Bauern kaufen und vermarkten, denn der Export fällt vorerst aus.

Auf wichtigen Märkten wie Nordafrika, vor allem Ägypten, versucht Russland nach seinem Exportstopp im vergangenen Jahr Marktanteile durch Dumpingpreise zurückzuerobern, wie der agw-Chef erklärte. Russland, das mit 90 Millionen Tonnen 50 Prozent mehr Getreide erntet als 2010, hat ein geschätztes Exportpotenzial von bis zu 20 Millionen Tonnen, ebenso die Ukraine. Russland bietet seinen Weizen 30 bis 35 Dollar billiger an als deutsche und europäische Konkurrenten, wie Weiterer sagte. „Bei den Preisen können wir nicht mithalten.“

Die Preise und damit die Erlöse für die heimischen Landwirte bezeichnete er als auskömmlich. In den vergangenen Wochen seien die Notierungen an den Agrarbörsen wieder um 10 bis 20 Euro je Tonne gestiegen. Zurzeit werde Weizen an der Pariser Matif mit rund 208 Euro je Tonne gehandelt, etwa so viel wie vor einem Jahr. Seinen Höchststand hatte der Weizenpreis in diesem Jahr im Februar mit 270 Euro markiert. Ungewöhnlich ist laut Weiterer, dass Roggen mit etwa 225 Euro je Tonne höher notiert als Weizen. Inzwischen wandere viel Roggen in Biogasanlagen und gelange nicht mehr auf den Markt, sodass „die Versorgung eng ist“.

Gelohnt hat sich für viele Landwirte, dass sie schon zu Beginn des Jahres Vorverträge mit dem Landhandel abgeschlossen haben. Damit sicherten sie sich laut Weiterer Preise zwischen 220 und 230 Euro je Tonne. In Niedersachsen sei etwa ein Drittel der Ernte kontrahiert worden. Wie die Lage bundesweit aussieht, berichtet heute der Deutsche Bauernverband. Gerechnet wird mit einer Getreideernte von mehr als 42 Millionen Tonnen, nach 44,3 Millionen Tonnen 2010.