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Niedersachsen LBS Nord setzt auf eine Zinswende
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen LBS Nord setzt auf eine Zinswende
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06:00 10.02.2017
Von Albrecht Scheuermann
Das Geschäft mit Bausparverträgen ging zuletzt zurück: Die LBS am Kronsberg. Foto: Villegas Quelle: Villegas
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Hannover

Bausparkassen machen eine schwierige Zeit durch. Das Geschäft leidet vor allem unter dem extremen Niedrigzins, der den Absatz von neuen Verträgen und das Geldverdienen sehr beeinträchtigt. Dies spürt auch die Norddeutsche Landesbausparkasse Berlin-Hannover (LBS Nord). Allerdings hofft der Vorstand, dass nun die Zinswende da ist - und damit das Bausparen wieder stärker in Mode kommt. „Wir stellen fest, dass die langfristigen Zinsen wieder steigen“, sagte LBS-Chef Rüdiger Kamp. Deshalb sieht er nach einem dicken Minus im vergangenen Jahr wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft. „Unser Neugeschäft steht und fällt mit der Zinsentwicklung.“

Angebote überarbeitet

Wenn das Baugeld wieder teurer wird, so das Kalkül, entdecken die Menschen wieder vermehrt den Nutzen des Bausparens - nämlich die Absicherung gegen künftige Zinssteigerungen. Schließlich könne die LBS Nord Zinssicherheit bis zu 30 Jahren bieten. Der hannoversche Baufinanzierer sieht bereits erste Anzeichen für eine Belebung des Geschäftes in diesem Jahr.

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Mit Spannung wartet die LBS auf ein Urteil, das am 21. Februar zu erwarten ist. Der Bundesgerichtshof will dann über die Praxis der Bausparkassen entscheiden, alte Kunden aus hochverzinsten Bausparverträgen herauszudrängen, die vor langer Zeit abgeschlossen wurden. Zahlreiche Kunden haben dagegen geklagt, und es gibt auch schon etliche Urteile - die meisten zugunsten der Bausparkassen. Letzte Klarheit über die Rechtslage könnte jetzt jedoch der BGH schaffen.

Weniger Verträge als im Vorjahr

Auch die LBS hat zahlreiche Verträge gekündigt, allein im vergangenen Jahr waren es nach ihren Angaben etwa 12 000. Die Bausparkassen argumentieren, dass es der Idee des Bausparens widerspreche, wenn Kunden nur aus Renditegründen Geld auf Bausparkonten anlegen. Schließlich gehe es immer auch um die Vergabe von günstigen Baudarlehen. Die Renditesparer schadeten dem „Bausparkollektiv“.

Die LBS Nord hat ihre Angebote mit dem Ziel überarbeitet, nur noch Kunden zu gewinnen, die den Bausparvertrag für den Erwerb oder die Renovierung einer Immobilie nutzen wollen. Auch dadurch ging das Geschäft zuletzt deutlich zurück. Vergangenes Jahr schloss die Kasse nur noch 106 000 Verträge ab - 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Wert des Neugeschäfts reduzierte sich jedoch nur um 10 Prozent, weil die einzelnen Verträge größer geworden sind. Auch die Neuordnung des Außendiensts habe zunächst den Absatz belastet, hieß es. Kamp sieht es angesichts der Umstände deshalb als einen Erfolg, dass der Betriebsgewinn vor Steuern mit 6,6 (Vorjahr: 8,7) Millionen Euro deutlich größer ausfiel als geplant.

Jens Heitmann 12.02.2017
Heiko Randermann 11.02.2017
Albrecht Scheuermann 08.02.2017