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Niedersachsen Spielzeug für die Ferkel
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21:13 11.11.2014
Von Carola Böse-Fischer
Allerdings ist es kaum damit getan, den Ferkeln nur Spielzeug in die Stallbox zu geben. Noch wichtiger ist es, dass die Landwirte gut vorbereitet sind.
Allerdings ist es kaum damit getan, den Ferkeln nur Spielzeug in die Stallbox zu geben. Noch wichtiger ist es, dass die Landwirte gut vorbereitet sind. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Schweine sind verspielte Tiere. Müssen sie ihr kurzes Leben bis zur Schlachtreife auf engem Raum mit Hunderten ihrer Artgenossen verbringen und werden sie nicht genügend beschäftigt, beißen sie sich gegenseitig die Ringelschwänze ab. Infektionen können die Folge sein, die schlimmstenfalls einen ganzen Bestand gefährden können. „Das Schwanzbeißen tritt in allen Haltungsformen auf“, sagt Sven Häuser, Projektmanager der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

Bislang werden Ferkeln in konventionellen Mastbetrieben die Schwänze kupiert, um Kannibalismus zu verhindern. Doch das soll bald ebenso verboten werden wie die Kastration der Ferkel ohne Betäubung. In Niedersachsen ab 2016. Das sieht der Tierschutzplan vor, der bereits vor einigen Jahren vom damaligen Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) auf den Weg gebracht wurde und nun von seinem Nachfolger, dem Grünen-Politiker Christian Meyer, umgesetzt wird.

Vom 11. bis 14. November zeigen Aussteller ihre Innovationen rund um das Thema Tiere auf der Messe.

Andere Länder wollen dem Beispiel Niedersachsens folgen

Auf die schärferen Auflagen der Politik müsse die Branche reagieren, sagt Häuser. Auf der EuroTier bietet die DLG deshalb zusammen mit der BFL (Bauförderung Landwirtschaft) ein Special „Innovative Ferkelaufzucht“ an. Auf dieser Sonderschau in Halle 9 werden neue Produkte und Verfahren vorgestellt, die es den Tieren nach der Trennung von der Muttersau in einer neuen Gruppe laut Häuser „so angenehm wie möglich machen“ sollen.

Das Tierwohl fängt beim Stallboden an. Er muss trittfest, rutschsicher und weich sein, wie der DLG-Manager erläutert. Mehr als 50 verschiedene Bodenelemente würden gezeigt. Eine Neuheit, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, ist ein sogenannter Klimacomputer. Da Schweine nicht schwitzen, könnten sie sowohl in Hitze- als auch in Kältestress geraten, erklärt Häuser. Der Computer zeichne das Verhalten der Tiere auf und sorge über die Aktivierung einer Kühl- oder einer Heizanlage für das thermische Wohlbefinden der Schweine.

Das Klima im Stall ist eine von vielen Ursachen für das Schwanzbeißen, wie der DLG-Experte sagt. Auch Platzangebot, Lüftung, Futter und Wasser beeinflussten das Verhalten der Tiere. Umso wichtiger seien Beschäftigungsmaterialien zur Ablenkung. Das Spielzeug dürfe jedoch nicht langweilig werden. Bälle zum Beispiel seien schon nach kurzer Zeit uninteressant für Schweine. Die Firmen entwickelten jedoch inzwischen Beschäftigungssysteme, die dem Spieltrieb von Ferkeln gerecht würden, berichtet Häuser.

Allerdings ist es kaum damit getan, den Ferkeln nur Spielzeug in die Stallbox zu geben. Noch wichtiger ist es, dass die Landwirte gut vorbereitet sind, wenn die Ringelschwänze dranbleiben müssen, wie der DLG-Manager sagt. Man dürfe die Tierhalter dabei nicht alleinlassen. Auf der Sonderschau beantworten Berater von mehreren Landwirtschaftskammern, auch aus Niedersachsen, Fragen, die für die Landwirte wichtig werden. Ob viele von ihnen dann auch gleich noch in neue Böden oder Spielsysteme investieren, hängt laut Häuser von der wirtschaftlichen Lage der Betriebe ab. Die sei angesichts eines Preiseinbruchs von rund 20 Prozent für Schlachtschweine derzeit allerdings schlecht.

09.11.2014
Carola Böse-Fischer 08.11.2014