Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Bestechung oder Freundschaftsdienst?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bestechung oder Freundschaftsdienst?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:32 05.10.2009
Anzeige

Zum Prozessauftakt bestritt der 53-Jährige seine Schuld. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte seine Position bei dem Wolfsburger Autobauer für illegale Geschäfte genutzt hat. Die Liste der Vorwürfe ist so lang, dass Staatsanwalt Michael Weber mehr als eine halbe Stunde zum Verlesen der Anklage benötigte. Unter anderem soll eine der Firmen kostenlos umfangreiche Arbeiten auf der Pferdefarm des ehemaligen Managers in Südfrankreich ausgeführt haben, die der Mann zu einem Zentrum des Westernreitens ausbauen wollte. Ein privates 40 000-Euro-Darlehen des Subunternehmers für den Ankauf zweier Zuchthengste habe der Beschuldigte nicht zurückzahlen müssen. Und die Reinigungsfirma habe sogar mit einen Arbeitsvertrag der Ehefrau des Angeklagten eine billige Krankenversicherung verschafft, ohne dass die Frau den Job antreten musste.

Der andere Betrieb habe dem Manager zunächst kostenlos einen VW-Bus überlassen, sagte der Staatsanwalt. Dann habe er das Fahrzeug für 1500 Euro an einen Geschäftsfreund des Angeklagten weitergegeben, obwohl es den zehnfachen Listenpreis hatte. Erreicht habe der Beschuldigte diese Leistungen durch sanfte Drohungen im Hinblick auf Auftragsvergabe.

Anzeige

Der 53-Jährige sieht die Sache völlig anders. Er verlas gestern eine mehrseitige Erklärung, in der er nur recht kurz auf die Vorwürfe einging. „Ich habe mich vielleicht ungeschickt verhalten. Aber ich habe keine Straftaten begangen“, betonte er. Die Leistungen der Firmen habe er für Freundschaftsdienste gehalten, zumal er ohnehin keinen Einfluss auf die Auftragsvergabe hatte. „Darüber mussten andere entscheiden“, versicherte er.

Umfangreich schilderte der Angeklagte dagegen seine Verdienste für Volkswagen. „Ich habe mich bewährt. Das kann ich hier mit gutem Recht sagen“, erklärte er nicht ohne Stolz in der Stimme. So hatte es wohl auch die VW-Spitze gesehen. 2007 entschied sie, der Manager solle die Werksleitung in Wolfsburg übernehmen. Tags drauf wurden die Vorwürfe gegen den Mann bekannt. Statt zur Beförderung kam es zum Rauschmiss.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Insgesamt hat das Gericht sieben Verhandlungstermine angesetzt, das Urteil wird für frühestens Mitte November erwartet.

Jens Krone