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Niedersachsen Bosch bietet Gratis-Büros im Wald
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bosch bietet Gratis-Büros im Wald
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08:30 19.11.2015
Von Lars Ruzic
Frische Ideen gesucht:Platz für die Start-ups gibt es reichlich auf dem Gelände im Hildesheimer Wald. Quelle: Chris Gossmann
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Hildesheim

Am Sitz der Multimedia-Sparte des Zulieferers im Hildesheimer Wald sollen sich junge, innovative IT-Unternehmen mit Geschäftsideen im Bereich der Mobilitätswirtschaft ansiedeln. Bosch bietet den Jungunternehmern als Anreiz eine direkte Kopplung zur eigenen Entwicklung und dem Vertrieb. Gleichzeitig engagieren sich Bosch und das Land als Risikokapitalgeber und beteiligen sich zusammen mit bis zu 24,9 Prozent an den jungen Unternehmen.

„Wir siedeln hier echte Zukunftsthemen an“, sagte der Chef der Multimedia-Sparte, Manfred Baden, gestern beim Start der 100-prozentigen Tochter Beyond, die als Start-up-Förderer – neudeutsch: Inkubator – fungieren soll. Für das Land übernimmt die Beteiligungstochter der NBank die Rolle des Risiko-Investors. Beide Seiten haben sich verständigt, im Regelfall je die Hälfte des Kapitals dazuzugeben. Bei der NBank ist die Summe allerdings schon aus rechtlichen Gründen auf 600.000 Euro pro Firma begrenzt.

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Unternehmen sucht frische Ideen

Bosch hielt sich zum Ausmaß seines Engagements bedeckt. Die Partner können sich vorstellen, in vier Jahren bis zu 15 Firmen in ihrem Beteiligungsportfolio zu zählen. Bosch will sich auf diese Weise frische Ideen rund um die vernetzte Mobilität der Zukunft ins Haus holen. So könne der Standort agiler und attraktiver werden, meinte Baden. „Und wir haben die Chance, Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen.“ Die Jungunternehmer profitierten im Gegenzug vom großen Know-how der Bosch-Entwickler und bekämen über den Zulieferer einen viel leichteren Zugang zu den Autoherstellern.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies lobte den Vorstoß als „mutigen Schritt“. Mittelfristig ließen sich im Hildesheimer Wald womöglich Jobs auffangen, die man hier sonst nicht halten könnte. Der Standort erlebt seit Jahren einen rasanten Strukturwandel. Einst beschäftigten Bosch und die Radio-Tochter Blaupunkt in dem Werk weit über 10 000 Menschen. Blaupunkt wurde vor Jahren verkauft und befindet sich gerade im vorläufigen Insolvenzverfahren. Produktion gibt es im Multimedia-Bereich quasi nicht mehr, wohl aber noch Forschung und Entwicklung.

Suche nach Kandidaten beginnt 2016

Dafür ist Hildesheim noch Leitwerk für Starter und Generatoren. Doch auch diesen Bereich will der Konzern gerade abstoßen – was in der SPD-geführten Landesregierung sehr kritisch beobachtet wird. Das Thema sei derzeit „ein schwieriges Feld“, räumte Lies ein. Das Land erhofft sich von dem Inkubator-Vorstoß jedoch nicht nur Effekte für den Standort. Das Ganze sei „ein Leuchtturmprojekt“ und könne Signalcharakter für andere Regionen und Konzerne im Land haben, sagte NBank-Manager Georg Henze.

Beyond will die Firmen vor allem aus Berlin nach Hildesheim locken, wird allerdings auch in der Bundeshauptstadt Büros bieten. Wer sich dort ansiedelt, kann jedoch nicht mit Geld aus Niedersachsen rechnen. Beyond-Chef Arif Hatip sieht sein Unternehmen vor allem als Brückenbauer zwischen den Start-ups „und der etablierten Konzernwelt“. Anfang kommenden Jahres will sich die neue Gesellschaft aktiv auf die Suche nach potenziellen Kandidaten begeben. Gewünscht sind Unternehmer oder kleine Teams, die im Bereich mobiler Datenspeicherung und -analyse, bei Mobilitätsdiensten oder im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion frische Geschäftsideen mitbringen.  

  

Hildesheim statt Berlin?

Als Start-up-Hochburg hat Hildesheim in der Vergangenheit eher weniger Reden von sich gemacht. Der letzte erfolgreiche Durchstarter aus der Domstadt war Carsten Maschmeyer – und der wurde mit seinem AWD in Hannover groß. Im IT-Bereich versuchte sich zu Boomzeiten der New Economy die Firma Metabox daran, das Internet auf den Fernseher zu holen – und scheiterte krachend. Doch Hildesheim ist in Niedersachsen damit nicht allein. Das Land hat insgesamt ein großes Defizit im Bereich erfolgreicher Start-ups – jedenfalls im Vergleich zu Hochburgen wie Berlin oder München.

Dass Bosch dennoch glaubt, junge IT-Spezialisten nach Hildesheim lotsen zu können, hat vor allem mit der Nähe zur eigenen Entwicklung zu tun. Die Fachleute könnten sich austauschen und voneinander profitieren, hieß es. Das könnten andere den jungen Firmen nicht bieten. 200 Quadratmeter Bürofläche haben sie im Hildesheimer Wald für die Neuankömmlinge bereits geschaffen, Platz für mehr ist im Überfluss vorhanden.     

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