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Niedersachsen Bosch will Starter-Geschäft abstoßen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bosch will Starter-Geschäft abstoßen
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00:17 12.06.2015
Von Lars Ruzic
Bosch will seine Sparte "Starter und Generatoren" ausgliedern.
Bosch will seine Sparte "Starter und Generatoren" ausgliedern. Quelle: Chris Gossmann
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Hannover

Davon betroffen sind 6500 Mitarbeiter, davon allein 900 am weltweiten Starter-Leitwerk in Hildesheim. Der Standort produziert Anlasser bereits seit seiner Gründung vor 75 Jahren.

Zusammen mit einem Käufer oder Partner habe der Bereich „in diesem wettbewerbsintensiven und kostengetriebenen Markt“ bessere Wachstumschancen, begründete Bosch-Manager Rolf Burlander den Schritt. Er kommt wenige Monate, nachdem sich der Konzern mit dem Betriebsrat in Hildesheim auf eine Standortsicherungsvereinbarung verständigt hatte, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Betriebsrat sieht keine validen Gründe für eine Ausgliederung

Entsprechend überraschend kommt dieser Schritt für die Beschäftigten und die IG Metall. Deren designierter Erster Vorsitzender und Bosch-Aufsichtsrat Jörg Hofmann kritisierte, der Konzern spiele mit Beschäftigten und Standorten Kasino. Bosch müsse eine Zukunftsperspektive für Hildesheim entwickeln, „anstatt sich dieser Aufgabe mit Ausgründung und Verkauf zu Lasten der Belegschaft und ihrer Familien zu entledigen“.

Für die Ausgliederung gebe es keine nachvollziehbare Begründung, kritisierte Konzernbetriebsratschef Alfred Löckle. Sie führe jedoch „zu einer großen Verunsicherung am Standort“. Die Beschäftigten im Hildesheimer Wald hatten bereits vor einigen Jahren auf dem eigenen Gelände miterleben können, welche Folgen die Abgabe der Tochter Blaupunkt an Finanzinvestoren hatte. Seitdem seien insgesamt 1000 Arbeitsplätze weggefallen, rechnete Uwe Mebs von der IG Metall vor.

Bosch will sich auf andere Unternehmensthemen fokussieren

Seit Jahren fährt der Autozulieferer die Starterproduktion am Hochlohnstandort Hildesheim zurück. Die einfachen Anlasser werden inzwischen größtenteils im ungarischen Miskolc gefertigt. Hildesheim fungiert zwar als Leitwerk für sieben Fabriken weltweit. Das heißt allerdings auch, dass der Standort lediglich die An- und Hochlaufphase der Fertigung übernimmt - was weit weniger Personal erfordert. Schon vor Monaten hatte der Konzern angekündigt, dass in der Starter-Produktion 400 Mann zu viel an Bord sind. Sie sollen sozialverträglich abgebaut werden. Gleichzeitig betonte die Werksleitung, die Produktion im Hildesheimer Wald halten zu wollen.

Man habe zuletzt erfolgreich an der Wettbewerbsfähigkeit der Sparte gearbeitet, Strukturen vereinfacht und flexibler gestaltet, teilte Bosch mit. „Ein Partner oder Käufer kann diesen Aktivitäten weiteren Schub geben.“ Zudem könne er sich Wachstumschancen in Regionen erschließen, wo die Sparte bislang unterrepräsentiert sei. Bosch selbst hofft, sich durch die Trennung „stärker auf andere Unternehmensthemen zu konzentrieren“.

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