Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Stahlbauer Weserwind steht vor dem Aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stahlbauer Weserwind steht vor dem Aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:37 30.01.2015
In Spitzenzeiten beschäftigte Weserwind bis zu 1200 Mitarbeiter.
In Spitzenzeiten beschäftigte Weserwind bis zu 1200 Mitarbeiter. Quelle: dpa
Anzeige
Bremerhaven

Der Bremerhavener Offshore-Stahlbauer Weserwind ist wegen fehlender Aufträge zahlungsunfähig. Nach Angaben des Amtsgerichts Bremerhaven stellte das Unternehmen am Donnerstag einen Insolvenzantrag. Das Gericht bestätigte damit am Freitag entsprechende Medienberichte. Weserwind wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Der Mutterkonzern Georgsmarienhütte hatte dem defizitären Tochterunternehmen zuvor den Geldhahn abgedreht. Von der Insolvenz betroffen sind nach Angaben der Bremerhavener Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS 370 Mitarbeiter.

In Spitzenzeiten beschäftigte Weserwind bis zu 1200 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte schon vor einem Jahr für einen Teil der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet. Bereits damals schloss der Mutterkonzern ein Ende für Weserwind - oder einen Verkauf - nicht aus. Im Sommer kündigte Weserwind an, rund 130 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Dies wurde dann allerdings nicht umgesetzt, wie BIS-Geschäftsführer Nils Schnorrenberger sagte. Das Unternehmen wollte sich auf den Bau von Fundamenten für Offshore-Windkraftanlagen konzentrieren.

Hohe Verluste im Geschäftsjahr 2014

Trotz großer Bemühungen sei es aber nicht gelungen, Weserwind für die Offshore-Industrie wirtschaftlich auf eine stabile Basis zu stellen, sagte die Sprecherin des Mutterkonzerns Georgsmarienhütte, Iris-Kathrin Wilckens. „Aufträge, die für 2015 und 2016 bislang für möglich gehalten wurden, verzögern sich nach Erkentnissen der Weserwind-Geschäftsführung um Jahre.“ Das Geschäftsjahr 2014 werde mit hohen Verlusten abgeschlossen. Konkrete Zahlen wollte Wilckens nicht nennen.

In dieser Lage sei erschwerend ein Schiedsverfahren hinzugekommen, in dem sich Weserwind einer Forderung von 100 Millionen Euro gegenüber sieht. Damit werde Weserwind in seiner Existenz gefährdet, sagte Wilckens. Hintergründe dazu wollte sie nicht nennen. Nach Angaben der BIS handelt es sich um eine Forderung des Energieversorgers Trianel. Weserwind hatte demnach Offshore-Fundamente für den Trianel-Windpark Borkum verspätet abgeliefert.

Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) warnte davor, die Insolvenz von Weserwind als unheilvolles Vorzeichen für die Zukunft der Offshore-Windenergie zu interpretieren. Inzwischen habe die Bundesregierung durch die gesicherte Einspeisevergütung die Voraussetzung für Investitionen geschaffen. „Die Zukunft der Offshore-Windenergie entscheidet sich nicht an der aktuellen Situation eines einzelnen Unternehmens, sondern an der Rentabilität der in Aussicht gestellten Projekte“, sagte der Senator.

dpa

Albrecht Scheuermann 28.01.2015
Niedersachsen Niedersachsens Ministerpräsident - Weil startet Wirtschaftsreise nach Katar
27.01.2015