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Niedersachsen Chemieindustrie in Norddeutschland regelt Personaltausch
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Chemieindustrie in Norddeutschland regelt Personaltausch
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14:43 10.09.2010
Auch in der norddeutschen Chemieindustrie können Firmen künftig Personal ver- oder ausleihen. Quelle: dpa
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Hannover. Die tarifvertragliche Nachbarschaftshilfe kommt in Mode. Arbeitgeber und Gewerkschaft in der norddeutschen Chemieindustrie haben sich wie schon die Metallbranche auf Regelungen für den Austausch von Personal verständigt. Der Tarifvertrag „Regionale Netzwerke zur Beschäftigungssicherung“ wurde bereits im Frühjahr unterschrieben, was die Tarifpartner bislang allerdings für sich behalten haben. In dieser Woche trafen sich erstmals Personalchefs und Betriebsräte in Hamburg, um über die Möglichkeiten der Vereinbarung zu sprechen. Die Resonanz sei äußerst positiv gewesen, hieß es im Anschluss.

Der Tarifvertrag zwischen IG Bergbau, Chemie, Energie und dem Arbeitgeberverband Chemie Nord gilt für Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein mit 300 Unternehmen und 67.000 Beschäftigten. Er begrenzt den Tauschradius auf 100 Kilometer. Wenn jedoch ein Betroffener etwa aufgrund einer günstigen Verkehrsanbindung eine weitere Anreise in Kauf nehmen kann, sei auch dies möglich, hieß es. Das Grundmodell ist das gleiche wie bei anderen Vereinbarungen dieser Art. Betriebe, die aufgrund mangelnder Auslastung Personalüberhang haben, melden dies ebenso bei Chemie Nord wie Firmen, die kurzfristig zusätzliche Beschäftigte suchen.

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Der Verband bringt die Firmen zusammen, die sich anschließend in einem Arbeitnehmerüberlassungsvertrag auf die Rahmenbedingungen der Leihe verständigen. Der Tarifvertrag gibt dabei vor, dass der Betroffene weiterhin sein normales Gehalt bezieht, ihm bleiben damit Kurzarbeit oder gar der Verlust seines Arbeitsplatzes erspart. Konkrete Austauschprojekte seien bereits in Vorbereitung, unter anderem in Hannover, hieß es von beiden Seiten.

„Wir wollen alle Chancen nutzen, um Beschäftigung zu sichern und die Fachkräfte zu halten“, sagte IG-BCE-Landesbezirksleiter Ralf Becker. Für die nächste Krise seien die Betriebe nun vorbereitet. Derzeit sei das Interesse an dem Programm noch gering, weil sich die Chemiebranche nahezu ausnahmslos auf einem steilen Wachstumspfad befinde. Einer großen Nachfrage nach Leihkräften stehe eine geringe Anzahl von Betrieben gegenüber, die Personal entbehren können.

Der Arbeitgeberverband Chemie Nord berichtete davon, dass es unter seinen Mitgliedern einzelne Interessenten an dem Modell gebe und Gespräche über das Thema geführt würden. Wegen der kräftigen Konjunkturerholung gibt es in dem Wirtschaftszweig allerdings immer weniger Unternehmen, die kurzarbeiten oder sich von Beschäftigten trennen müssen. Die Branche komme schneller aus der Krise als erwartet, erklärte Chemie-Nord-Hauptgeschäftsführer Jochen Wilkens.

Dem Austausch von Mitarbeitern müssen die Betriebsräte beider beteiligten Unternehmen zustimmen. Auch haben Beschäftigte im Alter von über 55 Jahren das Recht, dem Austausch zu widersprechen. Unlängst hatten die Tarifparteien der Metallindustrie im Raum Hannover einen regionalen Tausch von Arbeitskräften vereinbart. Wie auch die Metaller sehen die Chemieunternehmen den Vorteil, ihren Mehrbedarf mit Fachkräften aus der eigenen Branche abzudecken. Außerdem seien bei dem Tauschmodell die Personalkosten vor allem für höher Qualifizierte niedriger als bei Zeitarbeitsagenturen.

Lars Ruzic, Dirk Stelzl