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Niedersachsen Intel verlässt Braunschweig
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Intel verlässt Braunschweig
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09:54 31.03.2014
Von Stefan Winter
Foto: Mit der Forschung in Braunschweig ist es bald vorbei. Intel gibt seinen Standort im Norden auf.
Mit der Forschung in Braunschweig ist es bald vorbei. Intel gibt seinen Standort im Norden auf. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Der Interessenausgleich ist bereits verhandelt, der gesamten Belegschaft wird nun etappenweise gekündigt. Einige der meist hoch qualifizierten Mitarbeiter wechseln an andere Intel-Standorte.

Das Braunschweiger Labor kam mit der Übernahme des Optoelektronik-Spezialisten Giga im Jahr 2000 zu Intel und galt als größtes Entwicklungszentrum des Konzerns in Europa. Dort wird – vernetzt mit Intel-Labors in aller Welt – vor allem an besonders leistungsfähigen Chips mit mehreren Prozessorkernen geforscht und entwickelt. Die Braunschweiger Forscher waren unter anderem maßgeblich an der Entwicklung eines 48-Kern-Prozessors beteiligt. Der Standort sei führend auf diesem Feld, hatte es stets geheißen. Bis vor drei Jahren finanzierte Intel noch einen Studiengang für Chipdesign an der TU Braunschweig. Mehr als 100 Millionen Euro wurden über die Jahre in das Braunschweiger Labor investiert.

Die Nachricht von der Schließung bekamen die Mitarbeiter überraschend Ende vergangenen Jahres. Man wolle Standorte der Forschung und Entwicklung zusammenführen, sagte der Konzernsprecher. In der bisherigen Struktur mit mehr als 50 über Europa verteilten Einrichtungen seien sie „nicht mehr sinnvoll zu managen“, eine bessere Kommunikation sei das Ziel. Intel hat in den vergangenen Jahren immer wieder Sparprogramme aufgelegt, den Kurs aber unter dem seit knapp einem Jahr amtierenden Chef Brian Krzanich verschärft. Im Januar wurde der Abbau weiterer 5000 der weltweit rund 80.000 Stellen angekündigt. Der Konzern ist zwar mit 9,6 Milliarden Dollar Gewinn bei 52 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr äußerst profitabel, aber beide Werte sind in den vergangenen Jahren geschrumpft.

Intel hat in einem wichtigen Geschäftsfeld den Anschluss verpasst: Der Konzern aus dem kalifornischen Santa Clara ist stark bei Prozessoren für konventionelle PC mit Maussteuerung, aber schwach bei Chips für Tablets und Smartphones. Deren Bedienung über berührungsempfindliche Bildschirme stellt andere Anforderungen an die Chips, hier machen Konkurrenten wie Nvidia dem Marktführer das Leben schwer. Sie haben sich den Wachstumsmarkt gesichert, während der PC-Absatz deutlich schrumpft. Auch Intel drängt nun mit hohem Aufwand in diesen Bereich und will sich stärker auf Prozessoren für kleine, mobile Geräte konzentrieren. Das Braunschweiger Labor wird in den nächsten Monaten schrittweise abgewickelt.

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