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Niedersachsen Schaeffler lässt Geißinger fallen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schaeffler lässt Geißinger fallen
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23:44 04.10.2013
Jürgen Geißinger. Quelle: dpa
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Hannover

Sie beendeten damit wochenlange Spekulationen über ein vorzeitiges Ausscheiden Geißingers. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Finanzchef Klaus Rosenfeld das Unternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach führen.

Gründe für die Trennung wurden nicht genannt. „An den grundsätzlichen Leitlinien ändert sich erst mal nichts“, sagte Georg Schaeffler in einer Telefonkonferenz. Mit dem Wechsel sei „der Weg frei, um die Schaeffler Gruppe und ihre Führung für die Zukunft neu auszurichten“ – damit sei aber nur eine personelle Neuausrichtung gemeint. Man wolle sich jedoch auch das eine oder andere Thema „unemotional“ ansehen, sagte Schaeffler.

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Seit Wochen kursierten Gerüchte, dass Geißingers Vertrag nicht verlängert werde. Angeblich gab es Meinungsverschiedenheiten mit der Eigentümerfamilie über den künftigen Kurs. Die Eigentümer haben diese Berichte nie dementiert. Gestern hieß es, der Schritt sei wegen der Spekulationen um drei Monate vorgezogen worden. In Konzernkreisen wurde auch von Differenzen zwischen Geißinger und Rosenfeld berichtet. Während der Ingenieur auf Wachstum pochte, drängte der Finanzchef auf Schuldenabbau.

Rosenfeld sagte gestern mit Blick auf diese Gerüchte: „Wenn irgendjemand den Eindruck gewonnen hätte, dass ich für Schrumpfen stehe, dann kann ich eindeutig sagen: Das ist nicht der Fall“, betonte er. Dennoch dürften die 9 Milliarden Euro Schulden nicht aus den Augen verloren werden.

Sie stammen aus dem Einstieg bei Continental, der aus dem Ruder lief. Schaeffler hält jetzt noch 46 Prozent der Conti-Aktien. Geißinger sitzt dort bisher neben den
Schaefflers und Rosenfeld im Aufsichtsrat, dürfte auch dieses Mandat aber niederlegen. Nach den Konflikten bei Schaefflers Einstieg habe es zuletzt eine gute Zusammenarbeit mit Geißinger gegeben, hieß es in Konzernkreisen.

Geißinger stand seit 1998 an der Spitze von Schaeffler und hat den Konzern zu einem der zehn größten Autozulieferer der Welt geformt. Nach mehreren Zukäufen – darunter die Schweinfurter FAG Kugelfischer – sollte der Conti-Einstieg die Krönung werden. Doch als die Kurse in der Finanzkrise einbrachen, wurden Schaeffler viel mehr Aktien angeboten, als das Unternehmen wollte – und bezahlen konnte. Seither versucht der Wälzlagerspezialist, die dafür aufgenommenen Schulden zu reduzieren.

Die dabei erzielten Erfolge werden vor allem dem früheren Investmentbanker Rosenfeld angerechnet. Vor allem ihm verdanken es die Schaefflers, dass sie finanziell wieder mehr Spielraum haben. Erst vor Kurzem wurde der Kursanstieg der Conti-Aktie genutzt, um mit dem Verkauf weiterer 4 Prozent rund eine Milliarde Euro einzunehmen. Nach eigener Aussage will Schaeffler die verbliebenen 46 Prozent an Continental langfristig halten. Analysten rechnen dagegen mit weiteren Verkäufen. Gut ein Drittel der Aktien würde nach ihrer Einschätzung für die Mehrheit auf Conti-Hauptversammlungen ausreichen. Auch den Einstieg eines Investors oder den Börsengang der Schaeffler AG halten Brancheninsider für möglich.

Von Jan C. Schwartz und Stefan Winter

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