Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Conti erwischt einen Kickstart
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Conti erwischt einen Kickstart
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 27.04.2014
Von Lars Ruzic
Quelle: Julian Stratenschulte (Symbolbild)
Anzeige
Hannover

„Wir sind zuversichtlich, den Schwung aufrechterhalten zu können“, sagte der Konzernchef vor gut 800 Anteilseignern auf der Hauptversammlung im Hannover Congress Centrum.

In den ersten drei Monaten hat Conti den Umsatz um gut 4 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro gesteigert. Ohne negative Währungseffekte durch den starken Euro hätte das Plus bei mehr als 8 Prozent gelegen. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis legte um 20 Prozent auf 953 Millionen Euro zu – das entspricht einer Rendite von 11,3 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt Degenhart ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 35 Milliarden Euro an. Das Ziel für die Marge hob er von 10 auf 10,5 Prozent an.

Als Grund nannte Degenhart die anziehende Autokonjunktur und ein sich langsam besserndes Reifenersatzgeschäft. Europa komme nur langsam aus dem Tal. Der Conti-Chef vermisst Wachstumsimpulse für den wichtigsten Absatzmarkt des Konzerns. Zudem kritisierte er die Beschlüsse der neuen Bundesregierung zu Energiewende, Mindestlohn und Rente. „GroKo“ stehe nicht nur für Große Koalition, „sondern vor allem für große Kosten“. So werde Beschäftigung hierzulande wieder teurer, das Ausland für Investitionen attraktiver.

Aktionärsvertreter zeigten sich „sehr zufrieden mit der Entwicklung“ des Autozulieferers. Die Eigentümer profitieren davon durch eine um 10 Prozent aufgestockte Dividende von 2,50 Euro pro Aktie – der Ausschüttung stimmten sie mit breiter Mehrheit zu. Auf Kritik stieß dagegen das neue Vergütungssystem für den Vorstand, über das die Hauptversammlung ebenfalls zu entscheiden hatte. Es sieht unter anderem eine Erhöhung der fixen Gehälter sowie die Einführung eines zusätzlichen Bonus vor. „Das ist ein ganz ordentlicher Zuschlag, den Sie sich da genehmigen“, sagte Alexander von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Pläne stellten für die DSW „die absolute Obergrenze“ dessen dar, was man noch unterstützen könne.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) verweigerte ihre Zustimmung zum neuen Vergütungssystem. „Das ist nach mehreren Bocksprüngen in den vergangenen Jahren einfach zu viel“, sagte SdK-Vertreter Heiko Barkemeyer. Im vergangenen Jahr waren die Saläre der Conti-Vorstände zwischen 20 und nahezu 100 Prozent gestiegen. Konzernchef Degenhart kommt inzwischen auf 4 Millionen Euro, seine acht Kollegen im Schnitt auf je 2,5 Millionen Euro.

Neue Personalchefin beginnt im Oktober

Die VW-Managerin Ariane Reinhart löst Elke Strathmann als Personalvorstand bei Continental ab. Anfang Oktober werde Reinhart ihren Job in Hannover antreten, teilte Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle am Freitag mit. Die 44-Jährige genieße „das uneingeschränkte Vertrauen von Aufsichtsrat und Vorstand“. Das galt für Strathmann zuletzt nicht mehr. Die 56-Jährige hat ihren Schreibtisch bereits geräumt. Ihr bis zum Jahresende laufender Vertrag war nicht verlängert worden, weil das „Zusammenspiel“ zwischen Strathmann und dem restlichen Führungsteam „nicht mehr optimal war“, wie es Reitzle umschrieb. Ihr Ausscheiden bedauerte er gleichwohl „außerordentlich“.

Die Juristin Reinhart ist ein echtes VW-Gewächs. Seit 15 Jahren bekleidet sie unterschiedliche Positionen im Personalmanagement des Autokonzerns. So zählte sie einst zum Führungsteam der Auto 5000 GmbH – dem Lieblingskind des einstigen VW-Personalvorstands Peter Hartz. Die Gesellschaft sollte 5000 Arbeitslose zu einem Bruttolohn von 5000 D-Mark einstellen und in Wolfsburg den Familienwagen Touran bauen. Am Ende wurden es nicht ganz so viele Beschäftigte, heute gehören sie zudem zur VW-Kernmannschaft.

Reinhart hat Auslandserfahrung in Brasilien gesammelt und ist derzeit noch Personalvorstand bei der englischen Konzerntochter Bentley. Es waren immer wesentlich kleinere Einheiten als Conti, aber „man traut ihr diesen Riesensprung zu“, sagte ein Aufsichtsrat. Reinharts Ausführungen zu Personalrekrutierung und -entwicklung hätten „Hand und Fuß“ gehabt.

Die Hauptversammlung hat Freitag auch einen neuen Aufsichtsrat gewählt. Er hat vier neue Gesichter: den früheren KPMG-Manager Rolf Nonnenmacher und Sabine Neuß von Linde Material Handling auf der Kapitalseite, IG-Metallerin Elke Volkmann und Kirsten Vörkel, Betriebsratschefin im Dortmunder Werk, auf der Arbeitnehmerseite. Die Belegschaftsbank verlassen der Stöckener Betriebsratschef Michael Deister und Jörg Köhlinger von der IG Metall. Auf der Kapitalseite räumen Multi-Aufsichtsrat Bernd Voss und Neu-Politiker Hans-Olaf Henkel ihre Posten – Letzterer nach 25 Jahren als Mitglied des Kontrollgremiums.

Jens Heitmann 19.04.2014
Niedersachsen Jeden Tag ein neuer Händler - Volkswagen legt in China kräftig zu
19.04.2014
Niedersachsen Contis neue Personalchefin? - Auf dem Sprung
Stefan Winter 17.04.2014