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Niedersachsen Conti lässt die Luft aus den Büchern
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Conti lässt die Luft aus den Büchern
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22:39 29.10.2009
Von Lars Ruzic
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Der Firmenwert des mit 11,4 Milliarden Euro größten Zukaufs der Conti-Geschichte musste zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres korrigiert werden – um weitere 876 Millionen Euro. Insgesamt hat Conti inzwischen mehr als 2,1 Milliarden Euro auf VDO abschreiben müssen. Im dritten Quartal versammelten die Hannoveraner zudem fast eine halbe Milliarde Euro an Kosten, die für Werksschließungen anfallen werden. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Mitarbeiter bereits um 12.000 auf 134.000 verringert. Entsprechend hoch fallen die Verluste aus. Allein für das dritte Quartal zählte Conti unterm Strich ein Minus von einer Milliarde Euro. Im Gesamtjahr summieren sich die Verluste auf 1,5 Milliarden Euro. „Mit den umfangreichen Einmaleffekten haben wir beträchtliche Bilanzrisiken abgearbeitet“, sagte der neue Konzernchef Elmar Degenhart. Conti will sich damit hübsch machen für die geplante Ausgabe neuer Aktien, die für das erste Quartal 2010 vorgesehen ist.

Im operativen Geschäft haben die rigiden Sparmaßnahmen bereits ihren Teil dazu beigetragen. Obwohl der Zulieferkonzern im dritten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz verloren hat (auf 5,3 Milliarden Euro), konnte er das – um die Sondereffekte bereinigte – operative Ergebnis um gut 100 auf 143 Millionen Euro steigern. Zugleich sieht Degenhart für das vierte Quartal „etwas Licht am Ende des Tunnels“. Zumindest die Daten für Oktober und November gäben Anlass zur Hoffnung. Die Einschätzung teilten auch die Börsianer: Die Conti-Aktie war mit einem Plus von mehr als 11 Prozent Tagesgewinner im M-Dax.

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Erwirtschaftet haben dieses Ergebnis einmal mehr die „alten“ Conti-Sparten – also das Gummi- und das Bremsengeschäft. Die mit VDO zum Konzern gekommenen Bereiche schreiben teils sogar um Sondereffekte bereinigt noch rote Zahlen, konnten sich jedoch ebenfalls etwas verbessern. Wichtigster Gewinnfaktor bleiben die Pkw-Reifen, die von einem gut angelaufenen Wintergeschäft, verbesserten Zahlen aus den USA und vor allem den gesunkenen Beschaffungskosten bei Kautschuk profitierten. Derzeit würden die Rohmaterialpreise allerdings wieder anziehen, hieß es.

Der von Großaktionär Schaeffler entsandte Konzernchef will in den kommenden Monaten vor allem die Refinanzierung eines im kommenden Sommer fälligen 3,5-Milliarden-Euro-Kredits organisieren. Noch im November werde es dazu Verhandlungen mit den Banken geben. Parallel laufen die Vorbereitungen für die Kapitalerhöhung, die etwa 1,5 Milliarden Euro einbringen soll.

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