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Niedersachsen Conti will in Stöcken wieder Reifen backen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Conti will in Stöcken wieder Reifen backen
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08:10 01.06.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Bild aus alten Tagen: Ein Mitarbeiter fertigt im Januar 2009 Reifen in Stöcken.
Bild aus alten Tagen: Ein Mitarbeiter fertigt im Januar 2009 Reifen in Stöcken. Quelle: dpa
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Hannover

Erst vor zwei Jahren hatte der Konzern die letzte Fertigungseinheit für Lkw-Reifen aus Stöcken abgezogen und damit der Reifenproduktion am Stammsitz in Hannover nach mehr als einem Jahrhundert ein Ende gesetzt. Fast 800 Beschäftigte waren 2009 und 2010 von der Schließung betroffen.

Der Konzern hält sich zu der Entscheidung offiziell noch bedeckt. Er sprach lediglich davon, dass man die Produktion an einem bestehenden Standort in Westeuropa aufbauen wolle. Noch müssten letzte Details geklärt werden. Auch über das Investitionsvolumen schwieg sich ein Conti-Sprecher aus. Der Aufbau der Produktion solle im kommenden Jahr beginnen, sagte er nur.

Bisher hatten die Hannoveraner zwar die Runderneuerung von Lkw-Reifen im Angebot, die Fertigung aber einem Partner überlassen. Das Geschäft wolle man jetzt wieder in die eigenen Hände nehmen, so der Sprecher. Conti könne so schneller auf Marktschwankungen reagieren und technische Änderungen leichter umsetzen. In Stöcken ist das besonders einfach. Schließlich sitzt im Nordwesten der Stadt die zentrale Forschung und Entwicklung der Reifensparte.

Bei der Technologie handelt es sich um die sogenannte heiße Runderneuerung. Hier wird nicht einfach ein neuer Laufstreifen auf den abgefahrenen Reifen aufgeklebt, sondern der alte Pneu quasi neu „gebacken“ – einschließlich neuer Seitenwand, auf der dann auch die hauseigene Marke „ContiRe“ prangt. Auf dem Lkw-Markt, wo ein Reifen schnell mehrere Hundert Euro kosten kann, ist die Heißrunderneuerung für Speditionen und andere Kunden ein probates Mittel der Kostensenkung.

Runderneuerte Lkw-Reifen machen mehr als ein Drittel des europäischen Ersatzgeschäftes aus. Von den zuletzt 6,6 Millionen runderneuerten Reifen wurde je rund die Hälfte auf „kalte“ und auf „heiße“ Weise wieder auf Vordermann gebracht.  Wie aus dem Konzern verlautet, ist das Geschäft in Hannover in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt worden.

Inzwischen hat die Conti allerdings ein Lebenszyklus-Modell entworfen, mit dem sie die Kunden langfristig an sich binden will. Dabei kann der Kunde neue Reifen, den gesamten Service während der Nutzung und die anschließende Runderneuerung in einem Komplettpaket buchen. Die Produktion müsse im Westen Europas liegen, weil sich hier auch der größte Markt für heiße Runderneuerung befinde, hieß es. Stöcken biete sich wegen des vorhandenen Know-hows einfach an.

Platz wird man in dem Traditionswerk allerdings noch schaffen müssen. Nach der Schließung der Lkw-Reifenfertigung frei gewordene Flächen haben inzwischen andere Conti-Bereiche belegt. Insgesamt arbeiten in Stöcken rund 3200 Beschäftigte.

Stefan Winter 31.05.2012
Lars Ruzic 31.05.2012
31.05.2012