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Niedersachsen ContiTech stärkt Schlauchgeschäft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen ContiTech stärkt Schlauchgeschäft
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17:07 13.08.2012
Von Lars Ruzic
Quelle: dpa
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Hannover

Spitzenmanager der Continental-Tochter machten den nach eigenen Angaben drittgrößten Zukauf der Firmengeschichte perfekt: ContiTech übernimmt den Bereich Auto-Klimaleitungen vom US-Konzern Parker Hannifin und stärkt damit seine Schlauchsparte. ContiTech Fluid wächst durch den Zukauf um fünf Standorte, 1000 Mitarbeiter und rund 120 Millionen Euro Umsatz. Das eigene Klimaleitungsgeschäft verdoppelt sich damit auf einen Schlag. Den Preis behielten beide Seiten für sich, die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

ContiTech ist so etwas wie die Kaufmaschine im Continental-Konzern. Das liegt zum einen daran, dass sich der Auto- und Industriezulieferer auf teils hochspezialisierten Märkten tummelt, in denen es noch viele kleine Unternehmen gibt. Ihre Übernahme belastet den stark verschuldeten Mutterkonzern so gut wie gar nicht. Zum anderen soll ContiTech einer der Bereiche innerhalb der Conti sein, der nicht allein vom Wohl und Wehe der Automobilkonjunktur abhängt. Unlängst hatte Konzernchef Elmar Degenhart klargemacht, der Zulieferkonzern wolle den Anteil des Geschäfts erhöhen, das jenseits der Autohersteller liegt - und dabei nicht zuletzt die kleinste Konzerndivision im Auge gehabt.

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Trotz dieser Maßgabe habe man am Parker-Geschäft „einfach nicht vorbeigehen können“, heißt es bei ContiTech. Klimaleitungen seien unabhängig von Konjunkturzyklen gefragt - schließlich steige der Anteil der Autos mit Klimaanlage weltweit, so ein Sprecher. „Der Kauf passt perfekt in unsere Wachstumsstrategie“, fasste es ContiTech-Chef Heinz-Gerhard Wente zusammen. Parker sei sehr gut bei den amerikanischen und japanischen Autoherstellern vertreten und könne ContiTech Fluid neue Türen in Asien öffnen. Durch die Übernahme werde man zudem weltweiter Partner für Ford, GM oder Honda.

Die fünf Standorte wollen die Hannoveraner deshalb wohl auch alle übernehmen. Den Schwerpunkt bilden zwei Werke in Mexiko, wo zwei Drittel der Belegschaft arbeiten. ContiTech fertigt Klimaleitungen unter anderem in Salzgitter. Die Schlauchsparte ist die mit Abstand größte innerhalb der Conti-Tochter. Sie stellt mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz und 14000 Mitarbeitern mehr als ein Drittel des Kautschukspezialisten.

Erst vor zwei Monaten hatte ContiTech das Geschäft mit Bremskomponenten vom Freudenberg-Konzern sowie einen britischen Anbieter für Fördergurte übernommen. Dem Vernehmen nach dürfte schon bald ein weiterer Zukauf im Industriebereich hinzukommen. Derzeit bewegt sich das Verhältnis zwischen automobilem und nicht-automobilem Geschäft etwa bei eins zu eins. ContiTech ist unter anderem führend bei Fördergurten, Luftfedern für Lkw und Züge oder Drucktüchern. Das Industriegeschäft gilt als besonders profitabel - was die hohen Renditen erklärt, die ContiTech regelmäßig erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr lag die operative Marge mit 12,6 Prozent spürbar über der von Conti insgesamt (9,7 Prozent).