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Niedersachsen Continental plant Milliardeninvestitionen bis 2025
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Continental plant Milliardeninvestitionen bis 2025
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07:54 03.12.2012
Produktionskontrolle bei Conti: Der Konzern will bis 2025 mehrere Milliarden in den Ausbau seines Reifengeschäfts investieren. Quelle: dpa
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Hannover

140 Jahre brauchte Continental, um es 2011 auf einen Ausstoß von gut 130 Millionen Reifen zu bringen. Innerhalb weiterer 14 Jahre soll sich dieser Wert nun mehr als verdoppeln. Das sieht ein Langfristplan von Reifenvorstand Nikolai Setzer vor, der im Konzern unter dem Titel „Vision 2025“ die Runde macht. Der Konzern will vor allem in den Schwellenländern massiv Kapazitäten ausweiten und es damit „auf einen Podiumsplatz“ im Reifengeschäft schaffen. Conti ist heute in vielen Bereichen Weltmarktführer, nur in seinem Stammgeschäft mit weitem Abstand zum Spitzentrio Vierter.

Der Plan sieht vor, insgesamt zehn Werke neu auf die grüne Wiese zu stellen – mit klarem Schwerpunkt auf dem asiatisch-pazifischen Raum sowie Nord- und Südamerika. Gleichzeitig soll die Mehrheit der bestehenden Standorte mit jährlich 350 Millionen Euro ausgebaut werden. Somit summieren sich die Investitionen bis 2025 auf mehrere Milliarden Euro. Setzers Ziel ist eine „global ausbalancierte Werksstruktur“, wie er es selbst umschreibt. Conti soll überall auf der Welt über Fabriken in ausreichender Größe verfügen.

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Dazu hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr ein Sonderinvestitionsprogramm in der Höhe von einer Milliarde Euro angestoßen, das neue Fabriken in China, Russland und den USA vorsieht. Heute sind diese Werke im Bau oder sogar bereits am Netz. Weitere Standorte in den USA und Indien werden erweitert. Langfristig sollen je drei Werke auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien hinzukommen. Eine weitere Fabrik könnte in Osteuropa entstehen, heißt es aus dem Konzern.

Auch die deutschen Werke profitieren davon – wenn auch in weitaus geringerem Umfang. So wird in Hannover-Stöcken – wie berichtet – eine Produktion zur Runderneuerung von Lkw-Reifen eingerichtet. Erst 2010 hatte Conti die letzten Reste der Reifenfertigung am Traditionsstandort geschlossen. Allerdings profitiert Stöcken von der Expansion, weil hier die zentrale Reifenentwicklung, die Werksplanung und der Reifen-Maschinenbau sitzt.

Gerade die Werksplaner und Ingenieure in Stöcken seien schon mit den aktuellen Projekten „voll bis zur Halskrause“, berichtet Betriebsratschef Michael Deister. Sollten Setzers Pläne umgesetzt werden, „müsste man hier gewaltig Kapazitäten aufstocken“. Schon jetzt arbeiten in Stöcken mit 3500 Menschen mehr als vor der Schließung der Reifenproduktion.

Conti hatte sich vor allem in der Zeit von Konzernchef Manfred Wennemer allzu lange mit der Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Osteuropa beschäftigt. Heute verfügt der Konzern zwar im tschechischen Otrokovice über die weltgrößte Reifenfabrik, ist in der Sparte hochprofitabel und Marktführer in Europa. Aber die Wachstumsmärkte wurden außer Acht gelassen.

Die Folge: Noch heute werden drei von vier Conti-Reifen in Europa verkauft – einem Markt, der in diesem Jahr sogar schrumpfen wird. Dagegen explodieren die Verkaufszahlen in den Wachstumsregionen. Die Hannoveraner setzen darauf, dass sie noch nicht zu spät dran sind, um davon zu profitieren. Deshalb sei Setzers „Vision 2025“ auch „realistisch und nicht übertrieben“, so Deister.

Albrecht Scheuermann 30.11.2012
Jens Heitmann 27.11.2012